Bohrwiderstandsmessung - Zustandskartierung

 

Das Verfahren

Nadel-Bohrwiderstandsmessungen RESlSTO-GRAPH - Bohrwiderstandsmessgerate treiben eine 1,5 mm dünne und bis zu zwei Meter lange Bohrnadel bei schneller Umdrehung in das Holz. Die Vorschubgeschwindigkeit beträgt je nach Geräteversion bis zu 60 cm/min, die maximale Bohrtiefe liegt zwischen 30 und ca. 160 cm. Die Spitze der Bohrnadel ist doppelt so breit wie der Schaft, damit der Bohrwiderstand hauptsächlich dort anfallt. Der mechanische Eindringwiderstand wird über die elektrische Leistung des Bohrmotors gemessen, gespeichert und ausgedruckt. In den intakten Holzbereichen schwankt die Kurve mit den natürlichen, harten und weichen Jahrringschichten (Früh- und Spätholz). Ist das Holz durch Pilze oder Insekten geschädigt, sinkt der Bohrwiderstand
charakteristisch ab, wodurch Schädigungen erkennbar werden .

Anwendung der Bohrwiderstandsmessungen

Dass die Ausführung von Bohrwiderstandsmessung zunächst recht einfach erscheint, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dabei nur dann brauchbare und korrekt interpretierbare Messkurven entstehen, wenn an den richtigen Stellen und in die richtige Richtung gebohrt wird. Zudem ist die Standzeit der Bohrnadeln eine gewichtige Größe. Jeder Kontakt der Nadelspitze mit Stahl, Stein oder Beton kann entweder direkt und sogleich ihr Ende bedeuten, oder aber die Kurven derart verändern, dass falsche Schlüsse gezogen werden. Da die Bohrnadeln aus einem sehr zähen, aber flexiblen Stahl gefertigt sind, weichen sie im Holzstarken Dichtesprüngen, auf die sie schräg auftreffen, aus. Dies kann zu erheblichen Abweichungen von der ursprünglichen, geradlinig beabsichtigten Bohrrichtung führen - was oftmals einerseits die mechanische Zerstörung der Nadel und andererseits die Verfälschung der Information im Messprofil bedeutet. lnsofern muss sich der Anwender vor jeder Messung genau überlegen, an welcher Stelle und in welchem Winkel das Bohrgerät angesetzt wird. Da seit 1999 Bohrgeräte mir automatischer Vorschubsteuerung verfügbar sind, entfallt seither zumindest die oftmals zusätzlich schwierige Wahl der optimalen Vorschubgeschwindigkeit. Erst der automatisch gesteuerte Vorschub führt zu guter Vergleichbarkeit verschiedener Bohrungen.

Auswertung der Bohrwiderstandsmessprofile

Der Bohrwiderstand wird vor allem durch die Holzdichte bestimmt, sowohl im Detail als auch im mittleren ProflI. Da der Bohrwiderstand hauptsächlich an der Nadelspitze anfällt und diese recht klein ist, spiegelt er vor allem die lokale Holzdichte am jeweiligen Ort der Nadelspitze wieder. Demgemäß ist der Messwert auch den Schwankungen in der Holzstruktur untenvorfen. Diese wiederum ergibt sich je nach Holzart aus deren typischen Eigenschaften (Eichen sind im Kern meist deutlich dichter als außen, Nadelhölzer umgekehrt), in Abhängigkeit vom Standort des Baumes, von Wetter, Klima und vielen anderen Einflüssen. Während schnell gewachsene Nadelhölzer meist eine geringere Dichte aufweisen, ist es bei Eichen entgegen landläufiger Ansicht umgekehrt. Zu den naturgegebenen Variabilitäten in den Materialeigenschaften zwischen den Holzarten kommen also noch diejenigen zwischen Bäumen gleicher Art jedoch unterschiedlicher Standorte hinzu sowie die Schwankungen innerhalb der Bäume selber. Konsequenz dieser Vielfältigkeit ist, dass es vielleicht nie gelingen wird, eine vollständig computerisiert-automatisierte Auswertung von Bohrwiderstandsmessungen zu ermöglichen - zumal die Bohrkurven noch von Art und Anwendung der Bohrwiderstandsmessgeräte sowie vom jeweiligen Zustand der Bohrnadel abhängen. Letztlich ist also der Sachverstand der Anwender gefordert, nicht
nur sachgemäß zu bohren, sondern auch die Bohrkurven zutreffend auszuwerten. Eine zu den Jahrringen tangentiale Bohrung in Eiche kann genau so aussehen, wie eine radiale Bohrung in Fichte. Zu einem Bohrprofil gehört also immer die Angabe, welches Holz an welcher Stelle und in welche Richtung angebohrt wurde. An einer Kurve alleine ist eine nachgeordnete lnterpretation grundsätzlich unmöglich - denn jede Kurve kann auf unterschiedlichen Wegen entstehen.

Quelle: bauen mit holz 10/2006

 

 

 
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