Expeditionsteam 2010

Wilfried Korth (Geodät, Expeditionsleiter), Uwe Hofmann (Geodät), Herman-Josef Gördes (Diätkoch, Bergsportexperte)

Expeditionstagebuch 2010

 

Route der Gruppe (Karte "anklicken" --> ZOOM):


Die rot ausgefüllten Kreise mit Nummern zeigen die Camps
der Expedition von Alfred de Quervain aus dem Jahre 1912.
In gelb wird die Position der Gruppe dargestellt. Dazu die
Karte nach rechts schieben!

 


Datum Position Gelaufene
Strecke
Gelaufene Strecke gesamt erreichtes Camp mit Namen von 2002/ 2006  Meldung
31.08.2010 Ilulissat      

Heute hat uns der Helikopter abgeholt! Nach wir am Morgen bei andauerndem Regen auf gepackten Koffern (Pulkas) weiter im Zelt gewartet hatten, waren wir froh, als der Heli um 10 Uhr bei uns landete. Auf dem 30minütigem Flug von der Eiskappe an die Westküste konnten wir uns das „ganze Elend“ mit den Gletscherspalten nochmal auf der Luft anschauen. Es hat sich gegenüber der Expedition im Sommer 2006 sehr viel verändert, so dass wir auf der gewohnten Route nicht weiter zu Fuß durchkommen wären. Wir sind gut in Ilulissat gelandet und klären nun einige Formalitäten, z.B. die Rücksendung unserer Ausrüstung mit dem Frachtschiff. Wir verbringen heute die erste Nacht in einem Haus mit festen Wänden. Wir haben Brot, Käse und Bier eingekauft und wollen morgen mit der Auswertung der Messdaten beginnen.

v.l.n.r.: Hermann Goerdes,Wilfried Korth, Uwe Hofmann und Air Greenland Bell 212 am 31.8.2010, 10 Uhr

30.08.2010 69°30´30´´ N 49°05´30´´ W     7 km vor Camp 36

Es ist alles so weit in Ordnung, es geht uns gut! Wir hatten den ganzen Tag Regen und haben den Tag größtenteils im warmen Schlafsack verbracht und zum Essen hatten wir mal wieder Chilli con Carne. Wir hoffen, dass das Wetter morgen früh so gut ist, dass der Helikopter auch kommt. Wir packen jetzt die Pulken und bereiten alles für den Flug vor.

29.08.2010 69°30´30´´ N 49°05´30´´ W

6 km

(3 km Luftlinie)

ca. 600 km 7 km vor Camp 36

Das Messprogramm, unsere eigentliche Mission, ist zu hundert Prozent erfüllt. Wir haben in den täglichen 12-Stunden-Messungen mit den GPS-Empfängern alle Daten aufgezeichnet, die wir für das geodätische Höhenprofil benötigen. Den Zeitplan unserer Durchquerung, bis zum 04.09. an der Küste anzukommen, werden wir auf Grund der aktuellen Wetterbedingungen nicht halten können. Gestern sind wir vom Camp 35 aufgebrochen und haben uns in einem langen Tagesmarsch bis zum frühen Nachmittag nur etwa 10 km weiter in Richtung Camp 36 bewegt. Danach setzte starker Regen ein und wir haben völlig durchnässt ein Notlager aufgebaut - in einem grässlichen Spaltengebiet haben wir da gehangen! Nachdem es in der Nacht weiter regnete, haben wir im Zelt mit Mühe unsere Sachen getrocknet und sind wir heute früh wieder aufgebrochen. In 4 Stunden haben wir nur 3 km Luftlinie geschafft, die allerdings 6 km Laufstrecke erforderten. Dann setzte wieder stärkerer Regen ein und wir haben einige Kilometer vor dem Camp 36 beschlossen erneut ein Lager aufzubauen, der Untergrund hier besteht nur aus Eis. Wir haben mal  überschlagen, dass wir in den letzten Tagen ungefähr 2.000 Gletscherspalten überschritten haben. Bereits ab Camp 32 kamen Spalten, wo im Sommer 2006 noch keine Spalten zu sehen waren und wir damals beim Abstieg sehr gut voran kamen. Unter solchen Bedingungen, die auf dem weiteren Abstieg zur Küste definitiv nicht besser sondern noch härter werden, brechen wir den Fußmarsch jetzt ab und lassen uns vom Helikopter abholen. In den nächsten Tagen wird uns der Heli bei einem passenden Schönwetterloch nach Ilulissat bringen. Solange haben wir Brennstoff, Verpflegung und – das ist die Hauptsache – uns dreien geht‘s gut! Heute haben wir schön gewürfelt (weil wir ja nun Zeit haben), dabei eine Tüte Brausetabletten aufgefuttert und darüber sinniert, dass wir für die Messungen rund 600 km von einem Camp zum nächsten quer durch Grönland gelaufen sind, das ist auch keine schlechte Leistung!

28.08.2010   10 km ca. 597 km 10 km vor Camp 36  
27.08.2010 69°26´48´´ N
48°42´20´´ W
10 km ca. 587 km

Camp 35

"An der Spalte"

Wir sind nach zwei Tagen im Camp 35 angekommen. Diese 30 km lange Strecke von Camp 34 bis hierher wäre nur unter sehr idealen Bedingungen an einem Tag zu schaffen gewesen, diese sind momentan nicht vorhanden! Es sind unendliche, unzählige Spalten und Wassergebiete und sulziger Schnee, so dass wir gestern nach 20 km aufgehört haben. Noch dazu ist Wilfried ein Ski gebrochen und nach dem kurzen Versuch in Schuhen weiterzugehen, haben wir unterwegs dann doch eine Notreparatur gemacht: die Bindung gleich auf die vordere Hälfte neu aufgeschraubt.  Nun geht Wilfried mit einem langen und einem kurzen Ski weiter, bergauf rutscht der kurze Ski mangels Abdruck immer zurück und er läuft „bissel einbeinig wie so ein Hanghuhn“  ;-)  Heute hatten wir eine etwas ruhigere 10 km lange Etappe und waren am frühen Nachmittag um 13 Uhr hier. Jetzt haben wir erst mal unsere ganzen Sachen getrocknet, alles ist klamm und feucht. In den letzten Tagen war sehr schlechtes Wetter, gestern Nieselregen und Schnee, heute ist es nicht viel besser, bedeckt, am Mittag ist die Sonne rausgekommen, nur nicht durch Hochnebel und Wolkendecke zu uns durchgedrungen. Es weht mehr Wind als sonst, so dass wir auf Wetterbesserung und vor allem auf kühlere Temperaturen hoffen. Die Tiefsttemperatur in der letzten Nacht war mit - 0,3 °C viel „zu warm“! Wir haben dadurch jede Menge Wasserrinnen zu queren und kleine Wasserflächen, die wir umgehen müssen. Schon bei der Expediton 2006 bekam Camp 35 den Beinamen „An der Spalte“. Es ist dieses Jahr alles schwieriger als auf den Tag genau im Jahr vor 4 Jahren, als wir hier noch ganz gemütlich langgelaufen sind. Als wir damals die Zelte im Camp 35 aufbauten, fanden wir beim Buddeln im Schnee ein Loch zu einer Gletscherspalte, so ungefährlich dass wir einen Eisblock reinstopften und das Zelt da stehen ließen. Jetzt zelten wir wieder auf dieser ebenen Fläche, die aber heute völlig von Spalten zerrissen ist. Also rechts ein Spalte, links eine Spalte und wir zelten in der Mitte, mit genügend Abstand. Aber es sind überall Spalten und jetzt sieht man sie richtig!

26.08.2010   20 km ca. 577 km 10 km vor Camp 35  
25.08.2010 69°18´19´´ N
48°03´39´´ W

15 km

+ noch 5 km zum Camp vor uns

ca. 557 km Camp 34

Gestern hatten wir einen guten Segeltag. Nach 4 km kamen wir in ein Spaltengebiet und sind dann ein paar km gewandert, dann wieder gesegelt. Zum Teil  ging es auch über kleinere  Spalten. Aber das war alles sehr harmlos und wir haben schon 10 Uhr am Vormittag das Camp erreicht. Das Camp 33, auf rund 1570 m Höhe, war in diesem grönländischen Sommer allerdings praktisch auf einer „nassen Wiese“ gelegen. Wegen des sulzigen Untergrundes war es schwer die Zelte aufzubauen und zu stabilisieren. Also ein ziemlich ungemütliches Camp. Wir haben heute früh überlegt, ob wir um 3 Uhr aufstehen, aber die Nacht war sehr warm, so sind wir doch um 5 Uhr aufgestanden und sind seit 7 Uhr unterwegs. Jetzt sind wir seit 10 Stunden auf den Ski und haben erst 15 km geschafft, dank Hindernissen "ohne Ende". Das schwierigste Hindernis war ein 25 m breiter Fluss, den wir überwunden haben; es ist alles in allem nicht gefährlich, aber doch extrem hart. Jetzt (um 17 Uhr Ortszeit) stehen wir wieder vor einer tiefen Rinne und suchen noch den passenden Übergang. Wir haben noch 5 km vor uns und es wird sicherlich noch 2 bis 3 Stunden dauern, bis wir im Camp 34 ankommen…

24.08.2010 69°11´59´´ N
47°37´12´´ W
24 km ca. 537 km

Camp 33

 
23.08.2010 69°04´40´´ N
47°05´55´´ W
25 km ca. 513 km

Camp 32

Gestern und heute zeigte sich das grönländische Wetter Grau in Grau und mit wenig Kontrasten in der Landschaft. Wir sind gut vorangekommen und haben zwei lange Etappen hinter uns gebracht. Die rund 27 km vom Camp 30 zum Camp 31 waren unsere bisher zweitlängste Wanderetappe, wir hatten begonnen zu Segeln, da wir Hoffnung auf mehr Wind hatten, aber nach 4 km haben wir das wieder aufgegeben. Heute sind wir insgesamt 25 km gelaufen. Nach 5,5 km der Wanderstrecke kamen wir in ein Spaltengebiet, von dem wir wussten, dass es kommt. Es war leicht zu überwinden und wir brauchten nicht mal ein Seil, denn so früh am Morgen waren alle Schneebrücken noch hart gefroren. Wir waren trotzdem sehr vorsichtig und haben uns einen absolut sicheren Weg gesucht. Am Nachmittag, nachdem wir 17 km marschiert sind, kam dann noch Wind auf und wir konnten die Segel hochziehen und die letzten 7 km bis zum Camp 32 durchsegeln. Unterwegs kam dann nochmal eine einzige Spalte von 20 cm Breite. Da es wenig Neuschnee gibt, sieht man zum Glück alle Spalten und Löcher selbst bei schlechter Sicht gut, dies sind ideale Bedingungen und viel wert! Jetzt gibt es hier im Camp noch ein paar Snacks zur Belohnung - Paprikaspeck und Brot.

22.08.2010 68°57´26´´ N
46°35´11´´ W
27 km ca. 487 km

Camp 31

 
21.08.2010 68°49´20´´ N
46°03´20´´ W
25 km ca. 460 km Camp 30

Wir haben zwei abwechslungsreiche Tage hinter uns. Gestern sind wir ganz gut gesegelt, hatten aber auch technische Probleme. Mitten auf der 23 km lange Strecke haben wir anderthalb Stunden gebraucht, um einen totalem Segelfitz auseinander zu fummeln. Eigentlich hatten wir vor ein Camp weiter zu fahren, aber dadurch sind wir nur in das Camp 29 gekommen, der Tag war trotzdem gut! Heute war es erst einmal völlig bedeckt,  keine Sicht (fast so in Richtung white out gehend) und es war viel zu wenig Wind. Die 25 km sind wir „gewandert“ und sind trotzdem 14:30 Uhr an der Camp Position Nummer 30 auf 1985 m Höhe gewesen. Wir haben hervorragend in mehreren Gängen diniert: Spinat Gorgonzola Suppe,  als Zwischenmahlzeit Kochsalami , danach gab es gewürfeltes Curryhuhn mit Reis und jetzt haben wir noch einen großen 1 Liter-Eimer Mousse au Chocolat vor der Nase, der wir noch ausspachteln werden. Dann werden wir mühevoll ins Zelt rollen.  Weil wir soviel futtern ist jede unserer Pulkas schon um die 30 kg leichter. Die Datensammlung läuft bestens und wir verstecken an den Camps auch wieder neue Magnete, falls andere Helden die Strecke erneut vermessen wollen… Wir sind ja insgesamt fleißig vorangekommen und die Oberfläche ist gut, da es immer ein wenig drauf geschneit hat. Wir haben lange Etappen vor uns und hoffen auf ein bisschen Wind, damit wir nicht alles „latschen“ müssen.

20.08.2010 68°38´48´´ N
45°42´14´´ W
23 km ca. 435 km Camp 29  
19.08.2010 68°30´27´´ N
45°15´53´´ W
38 km ca. 412 km Camp 28

Herzliche Grüße aus dem Camp Nummer 28. Wir haben heute gleich wieder ein Camp übersprungen. Mit rasanter Segelfahrt und Spitzengeschwindigkeit von Tempo 30 km/h konnten wir recht schnell die rund 38 km absolvieren. Der Wind kam von schräg hinten und war auch nicht schneller als wir (ebenfalls um die 30 km/h). Durch den halbwegs guten Wind an den letzten beiden Segeltagen sind wir nun gut vorangekommen. Wir waren um 10:30 Uhr bereits am Ziel, da wir ja wie jeden Tag um 5 Uhr früh aufgestanden sind. Wir haben heute Nachmittag eine ganze Reihe technischer Basteleien erledigt und das Satellitentelefon mittels Solarpanel wieder vollgeladen. Jetzt beenden wir den Tag und gehen um 17 Uhr Ortszeit wohlverdient in den Schlafsack. Im Nachhinein können wir es ja erzählen: Uwe hatte im Camp 11 fast 39 Fieber, laut telefonischer Beratung durch unseren Expeditionsarzt war es ein relativ harmloser fiebriger Infekt. Nach dem einen Ruhetag im Camp 11 war das unter solch einer sportlichen Belastung aber schon recht heftig. Jetzt ist Uwe wieder fit! Hermann hatte sich leider etwas „Gefrierbrand“ an den Händen und im Gesicht geholt, der aber nicht weiter schlimm ist. Also, die ganze Truppe ist wieder wohlauf!

18.08.2010 68°16´25´´ N
4°35´47´´ W
40 km ca. 374 km Camp 26

Wir sind schon im Camp 26. Mit gutem Wind für unsere Segel sind wir ca. 40 km vorangekommen und konnten so gleich das damalige Camp 25 auslassen. Nun haben wir einen Puffer von einem Tag, über den wir sehr froh sind.  Wir hoffen für morgen auf ebenso gutes Segel-Wetter. Ja, und wir waren heute früh genug im Camp und haben uns ein Kücheniglu gebaut :-)

17.08.2010 68°00´50´´ N
43°56´03´´ W
19 km ca. 334 km Camp 24

Wir sind am Camp 24 angekommen. Es war eine sehr gute Etappe, die super schnell ging. Wir sind die 19 km lange Strecke in nur 4 Etappen (zu je 5 km mit 3 Pausen dazwischen)  gelaufen und waren bereits mittags gegen 12:30 Uhr hier. Dies gibt uns heute mehr Zeit für die wissenschaftliche Arbeit, auch wenn die Messungen ja "fast von alleine" laufen. Wir schachten gerade einen 2,50 m tiefen Schurf um den Eishorizont der letzten Jahre freizulegen. Anhand des Eishorizontes können wir den Niederschlagsauftrag bestimmen, also wieviel Schnee von Jahr zu Jahr gefallen ist. Das Wetter ist was eigenes hier oben: Es war den ganzen Tag bedeckt und trübe. Nun ist die Sonne rausgekommen und es sieht gerade aus, als hätte es auf Grönland noch nie Wolken gegeben. Eine blanke Schneefläche und viel Sonne. Übrigens, um diese Jahreszeit geht die Sonne in der Nacht gar nicht unter...

16.08.2010 67°53´49´´ N
43°36´08´´ W
20 km ca. 315 km Camp 23

Der gestrige Tag mit rund 21 km wurde für uns zu einer ziemlich anstrengenden Etappe. Als am Nachmittag die Sonne rauskam wurde der Schnee entsprechend schwer und pappig. Mit den anpappenden Pulkas zog sich der Weg bis in das Camp 22 eine ganze lange Weile hin. Heute lief alles viel, viel besser. Es bleib tagsüber die ganze Zeit bedeckt, wir starteten morgens bei - 3 °C und es bleib zum Glück bis um dem Mittag bei Minusgraden. So war der Schnee schön fest und die Pulkas sind auf den 20 km schön gerutscht und wir sind gut vorwärts gekommen. Gegen 14 Uhr sind wir hier im Camp 23 angekommen und wir sind jetzt mit dem Tagesprogramm fertig, zum Abendessen gab es heute für jeden eine große Portion Chilli con carne. Uns geht es alle gut! Auch wenn wir heute Nordwind von schräg vorne hatten - und wir nicht Segeln konnten - hoffen wir weiter auf den passenden Wind. Wenn wir weiter runterkommen werden dann stärkere Fallwinde wehen und damit aus der für unsere Segel richtigen Richtung.

15.08.2010 67°48´29´´ N
43°11´41´´ W
21 km ca. 295 km Camp 22  
14.08.2010 67°43´27´´ N
42°44´43´´ W
22 km ca. 274 km Camp 21

Uns geht es allen sehr gut, wir sitzen hier im Camp 21. Wir sind über den "Gipfel" hinweg und auf dem Abstieg. Den heutigen Tag konnten wir mit Segeln beginnen, bis der Wind eingeschlafen ist. Nach ungefähr 4,5 km sind wir dann bis zum Mittag gelaufen und konnten danach erneut Segeln. Aber Hermann und Wilfried haben dann abgebrochen, nur Uwe ist noch die 3 km bis zum Camp weitergesegelt, da er mit seiner Pulka etwas leichter ist. Er hat dann schon begonnen das Camp aufzubauen. Wir freuen uns im Laufe des Tages natürlich immer auf diesen abendlichen Höhepunkt: Schön im Küchenzelt sitzen und essen! Das Wetter zeigte sich heute bedeckt mit etwas Sonne, jetzt hat es sich draußen ein wenig zugezogen und es schneit ganz leicht. Hier gibt es eigentlich keine richtige "Landschaft", wir befinden uns in einer weißen verharrschten Schneefläche, die relativ eben ist. Immer wenn es so schneit wie jetzt verschwindet logischerweise der Horizont und alles um uns herum ist dann weiß in weiß. Es ist immer noch relativ warm, heute früh - 6°C, tags waren es um die 0 bis -2 °C.  

13.08.2010 67°35´15´´ N
42°22´27´´ W
40 km ca. 252 km Camp 20

Obwohl wir uns eigentlich nur alle 2 Tage melden, muss dieser Eintrag einfach schon heute sein :-). Aufgrund sehr guter Wind- und guter Schneeverhältnisse war es uns an diesem Freitag, dem 13., möglich, die längste Etappe in der Geschichte unserer 3maligen Grönlanddurchquerungen überhaupt zu bewältigen  - 40 km! Davon 25 km unter Segel. So sind wir jetzt bereits im Camp 20 auf einer Höhe von 2579 m und damit endlich "auf dem Gipfel". Sollten die äußeren Bedingungen so bleiben, geht es morgen langsam "bergab" (50 m Höhenunterschied) weiter. Da hier nichts so wechselhaft ist wie das Wetter, ist es beruhigend, nun eine Tag Reserve zu haben. Die Messungen laufen, das Camp ist aufgebaut und voller Stolz gibt es bei uns nachher bestimmt noch eine Extraration - natürlich aus der Tüte.

12.08.2010 67°18´55´´ N
41°47´23´´ W
21 km ca. 212 km Camp 18

Alles ist bestens! Wir haben die beiden langen „Horror-Etappen“ von gestern 20 km zum Camp 17 und von heute fast 21 km erfolgreich hinter uns gebracht. Der Aufstieg war weiterhin anstrengend, die Sicht war mal gut und mal schlecht, wir hatten glücklicherweise eher wenig Wind, nur die Schneebedingungen hätten besser sein können. Wir sind jetzt im Camp 18 und genießen um 17 Uhr Ortszeit unser Abendbrot. Unsere Messung läuft bereits wie gewohnt und parallel dazu laufen auch Uwe’s Messungen ohne Probleme.

11.08.2010 67°09´06´´ N
41°34´26´´ W
20 km ca. 191 km Camp 17  
10.08.2010 67°03´20´´ N
41°11´07´´ W
19 km ca. 171 km Camp 16

Herzliche Grüße aus dem Camp 16! Alle sind wohlauf! Den gestrigen Tag zum Camp 15 haben wir bei Sonne zurückgelegt, die Etappe war hart aber zu schaffen. Heute früh hatten wir Eisregen auf dem Zelt. Am Morgen haben wir kurz versucht zu Segeln, da der Wind dafür gut war. Leider war der Schnee so klebrig, dass wir nach einer knappen Stunde wieder aufgegeben haben. Wir sind den ganzen restlichen Tag durch den Nebel getappt. Zu vergleichsweise später Stunde sind wir im Camp 16 angekommen und haben zuerst unseren Empfänger eingeschaltet und danach begonnen die Zelte aufzubauen. Es regnet, wir haben rundum white out und eine Temperatur von + 3 °C. Wir sind in 2350 m Höhe, und damit bereits 200 m „unter dem Gipfel“. Wir haben nur noch 3 Tagesetappen vor uns, bis wir oben sind. Dann hoffen wir, dass wir Rückenwind und eine gefrorene Fläche bekommen, damit wir ordentlich segeln können.   

09.08.2010 66°58´34´´ N
40°48´02´´ W
19 km ca. 152 km Camp 15  
08.08.2010 66°51´08´´ N
40°30´44´´ W
17 km ca. 133 km Camp 14

Wir sind im Camp 14 angekommen, die heutige Laufstecke betrug 17 km. Die Schneebedingungen  sind besser als in den letzten Tagen, aber nicht als optimal zu bezeichnen. Es schien den ganzen Tag die Sonne, morgens war es mit – 14°C sehr kalt, die Tiefsttemperatur in der Nacht betrug – 16°C. Tagsüber waren es dann wieder 0°C. Wir sind alle soweit gut drauf.

07.08.2010 66°45´01´´ N
40°14´27´´ W
15 km ca. 116 km Camp 13 Nach dem wetterbedingten Ruhetag im Camp 11 haben wir gestern nun im Camp 12 die 2000 m-Höhenmarke erreicht. Es ist trotz Sonnenschein und klarer Sicht dennoch ein hartes Stück Arbeit. Gegenwind von 30 bis 35 km/h und sehr weicher Schnee (Tagestemperaturen um 0°C) ließen es uns auch heute über die 15 km Tagesetappe fast unmöglich machen, mit unseren Skiern eine gute Spur zu ziehen. Wir versanken oft knöcheltief. Aber wir müssen ja nur noch eine gute Woche "bergan" laufen. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Expeditionen haben wir zum Glück genug Tape für die Füße dabei... Bei "milden" Nachttemperaturen von -13°C sammelt unsere Antenne nach wie vor pro Camp 12 Stunden durchgehend ohne Probleme Daten."
06.08.2010 66°37´51´´ N
40°05´04´´ W
11 km ca. 101 km Camp 12  
05.08.2010 66°33´09´´ N
39°56´35´´ W
   

Camp 11

(Ruhetag)

Wir sind am nördlichen Polarkreis! Die GPS-Messungen laufen problemlos. Gestern sind wir 12 km gelaufen, mit Rückenwind sind wir zum Schluss sogar mit den Kites gesegelt. Der Wind von der Küste hat dann Schneetreiben mitgebracht. Und heute hingen wir fest - bei Pappschnee, Wind und Null Sicht war nicht an Weitergehen zu denken. Ein Zusatztag am Polarkreis, mit Kaiserschmarrn und Besuch von 3 Möwen im Schneetreiben. Jetzt sind wir auf 1950 Höhenmetern. Der Aufstieg der letzten Tage war anstrengend, wir sind insgesamt 700 Höhenmeter aufgestiegen und haben noch knapp 600 Höhenmeter, verteilt auf 150 km, vor uns. Inzwischen scheint die Sonne, es ist kalt, wir hoffen dass der Schnee durchfriert und wir morgen vernünftig weiterkommen.

04.08.2010 66°33´09´´ N
39°56´36´´ W
12 km ca. 90 km

Camp 11

 
03.08.2010 66°28´24´´ N
39°40´27´´ W
12 km ca. 78 km Camp 10

Gestern war die schwerste Etappe überhaupt. Die 15 km in weichem klebrigen Schnee waren sehr schwer zu laufen, wir hatten 40 bis 50 km/h Wind im Gesicht, es war hart an der Grenze. Heute sind wir 12 km gelaufen, wieder Gegenwind um die 35 km/h, der Schnee war gut durchgefroren. Der Wind hat am Abend nachgelassen und wir sitzen bei sehr schönem sonnigen Wetter im Camp 10 und haben eine gigantische Schneemauer gebaut. Wir haben im Sonnenschein alles zum Trocken aufgehängt was feucht ist, Socken, Handschuhe, Schlafsäcke… Und am Küchenzelt musste ein kleiner Riss geflickt werden. So haben wir heute im Freien gegessen - das war richtig schön! Die Laune ist bestens und wir bekommen langsam braune Gesichter.

02.08.2010 66°22´52´´ N
39°34´11´´ W
15 km ca. 66 km Camp 9

 

01.08.2010 66°15´26´´ N
39°26´59´´ W
18 km ca. 51 km Camp 8

Es läuft alles ganz gut. Gestern sind wir per Ski zum Camp 7 gelaufen, die Oberfläche war zum Schluss sehr weich. Heute war die Oberfläche fest, aber wir sind den ganzen Tag im Regen gelaufen. Die Temperatur liegt bei + 3°C. Die GPS-Messungen für das Höhenprofil laufen super. Wir stehen immer um 4 Uhr auf, kommen meist 14 Uhr im Camp an und ab 15 Uhr laufen die Messungen. Das Hauptgerät läuft mindestens 12 Stunden. Es ist alles etwas klamm, wir haben „feuchte gute Laune“. Hermann bekocht uns gut, heute zum Sonntag gab es Kartoffeleintopf, Tee mit Rum, nur das Mousse au Chocolat haben wir vergessen - keiner hatte mehr Lust in der nassen feuchten „Tropfsteinhöhle“ (Küchenzelt) rumzusitzen - das essen wir morgen zum Frühstück!

31.07.2010 66°06´13´´ N
39°22´57´´ W
17 km ca. 33 km Camp 7  
30.07.2010 65°59´05´´ N
39°11´42´´ W
15 km ca. 16 km Camp 6

Wir sind heute vom Camp 5 zum Camp 6 von 2002 / 2006 gelaufen. Wir sind um 5 Uhr aufgestanden, als wir um 7 Uhr unterwegs waren war der Schnee noch hart. Wir sind dann hier um 14 Uhr bei sulzigem weichem Schnee angekommen, es  war schon ziemlich schwer zum Schluss. Nachts wird es wieder gefrieren. Wir werden morgen genauso zeitig aufstehen, denn es wird wieder warm. Alle haben gute Laune und nur wenige Blasen an den Füßen (an Stellen die wir schon kannten). Es ist nach wie vor sehr warm, am Abend sind es noch + 1°C. Fast kein Wind, aber es zieht langsam eine leichte hohe Wolkendecke auf.

29.07.2010

65°51´51´´ N
39°02´19´´ W

750 m

ca. 1 km

Camp 5

Endlich sind wir auf der Eiskappe angekommen! Mit dem Hubschrauber ging es auf 1250 Höhenmeter. Die restlichen 750 m zum Camp 5 der Expeditionen 2002 / 2006 haben wir auf Skiern gemacht. Die Schlitten sind noch etwas schwer, aber es wird. Nur Hermann möchte einen größeren Schlitten... Wir bauen jetzt unser erstes Lager auf und gewöhnen uns langsam an das Leben hier. Herrlicher Sonnenschein, ein wenig Wind, die Temperatur  liegt um die O°C. Leicht sulziger Schnee.

28.07.2010

Tasiilaq

      Der Hubschrauber-Pilot wollte gestern trotz klarem Wetter nicht fliegen! Wir sind noch in Tasiilaq...
27.07.2010

Tasiilaq

      Heute ist es etwas hektisch. Wir bekommen in 30 Minuten unsere Kiste mit der gesamten Expeditions- und Vermessungsausrüstung. Dann gehts zum Heliport, um 16 Uhr werden wir zum Ausgangspunkt der Expedition fliegen. 
26.07.2010

Tasiilaq

     

Wir haben herrliches Wetter, Sonnenschein und Windstille, es könnte nicht besser sein. Heute haben wir von den Grönländischen Behörden endlich unser Permit erhalten. Leider dürfen wir dieses Mal nicht hochlaufen, sondern werden mit dem Hubschrauber hoch auf das Eis fliegen, dies war die Voraussetzung für das Permit der Expedition. Morgen oder übermorgen gehen wir auf‘s Eis...

24.07.2010

Tasiilaq

65°36´42´´ N
38°37´56´´ W

      Wir sind in Grönland! Morgen kommt die Kiste mit dem Schiff an und am Montag stehen Behördengänge an. Dann kommen wir endlich auf's Eis. Es wird auch Zeit.
23.07.2010

Potsdam

52°44´91´´ N 12°96´48´´ O

     

Endlich geht es los. Wir machen uns auf den Weg zum Abflug nach Kopenhagen. Von dort soll am nächsten Morgen 9 Uhr weiter mit dem Flugzeug über Kangerlussuaq und Nuuk nach Kulusuk gehen. Dann folgt nur noch ein kurzer Hop mit dem Helikopter nach Tasiilaq, an die Ostküste von Grönland zum Ausgangspunkt unserer Expedition "Spurensuche 2010".

Wenn unsere Kiste da ist, kann es voraussichtlich am Montag oder Dienstag aufs Eis gehen.

 

v.l.n.r.: Uwe Hofmann, Hermann Goerdes, Wilfried Korth

13.07.2010

Aalborg

(Dänemark)

      Nachdem wir gestern unsere rund 300 kg schwere Kiste die 700 km von Potsdam auf dem Landweg hierhergeschafft haben, geht es in die heiße Phase. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Wir sind wieder begeistert von der lockeren dänischen Mentalität. Es ist, wie ein Päckchen an den Urlaubsort zu schicken. Schnell und professioniell wird unsere Kiste abgefertigt. Fragen gibt es nicht, Probleme auch nicht. Um 9 Uhr treten wir die Rückfahrt an.