Wissenschaft und Ergebnisse
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Das Projekt

Die Eiskappen der Arktis und Antarktis  stellen ein wichtiges Klimaarchiv dar. So spiegeln Veränderungen in ihrem Massenhaushalt auch die aktuelle Klimaentwicklung wider. Die Erfassung und Beobachtung der Veränderungen an der polaren Vergletscherung unserer Erde liefern damit wichtige Ausgangsdaten für die Berechnung und Überprüfung von Klimamodellen.

Die Bestimmung des Massenhaushaltes der polaren Eisschilde kann einerseits durch Erfassung aller Einflussgrößen, wie Niederschlag, Abschmelzen, Eisbewegungen, Eisbergausstoß usw. erfolgen. Andererseits ist  es heute möglich, die gesamte Geometrie, also das Volumen eines Gletschers mit Hilfe von Satelliten zu bestimmen.
Die zuerst genannte Möglichkeit der Bestimmung des Eismassenhaushalts ist sehr aufwendig und kann daher kaum für die gesamten Eiskörper der Antarktis oder Grönlands erfolgen. Der zweite, satellitengestützte Weg ist effektiv und mit hoher Genauigkeit auch für riesige Gebiete möglich. So konnten beispielsweise Daten der europäischen Fernerkundungssatelliten ERS 1 und ERS 2 für solche Untersuchungen genutzt werden.
Dabei ergibt sich allerdings ein grundsätzliches Problem: Für die Kalibrierung und Überprüfung der Ergebnisse sind am Boden gewonnene Kontrollwerte unbedingt erforderlich. Solche Daten sind z.B. Eishöhen, Fließgeschwindigkeiten und Oberflächenstrukturen. Je mehr und je bessere Kontrollwerte möglichst gut verteilt über die Eisoberfläche vorliegen, desto zuverlässiger können Schlussfolgerungen für die aktuelle Klimaentwicklung der Erde werden.

Mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 2500 km und einer maximalen Ost-West-Ausdehnung von 1000 km ist Grönland nach der Antarktis die zweitgrößte vergletscherte Landmasse der Erde, in der etwa  9% des Süßwassers der Erde gespeichert sind. Entlang des  nördlichen Polarkreises, im südlichen Teil Grönlands, ist der Eisschild  noch etwa 500 km  breit.
In den Jahren 2001 und 2003 sind zwei spezielle glaziologische Satellitenmissionen geplant, die auch das grönländische Inlandeis überdecken werden. Von diesen Missionen erwartet man wesentlich genauere und dichtere Fernerkundungsdaten. Damit erhöhen sich zwangsläufig die Anforderungen an Qualität und Dichte der Bodenkontrolldaten.
Im südlichen, etwa 350 km breiten Teil des grönländischen Inlandeises gelang 1888 dem Norweger Fridjof Nansen die erste Überquerung – zu Fuß und auf Ski. Als zweiter war der schweizerische Universalgelehrte Alfred de Quervain erfolgreich. Er lief 1912 mit einer vierköpfigen Gruppe von Ilulissat nach Ammassalik mehr als 500 km über das Eis. Er nutzte zum Gepäcktransport allerdings Hundeschlitten.
1991 zählte das Dänische Polarzentrum die 100. Grönlandexpedition – darunter  wissenschaftliche, militärische und private.
Auf der geplanten Expedition wollen wir, 90 Jahre nach Alfred de Quervain, Grönland auf seiner klassischen Route von Tasiilaq (Ammassalik) nach Ilulissat (Jakobshavn) durchqueren. Dabei wird eine Strecke von ca. 700 km zurückzulegen sein. Da gerade die Randbereiche von Eiskappen klimasensitiv sind, eignet sich diese Route, die etwa zu 50% in Höhen unter 2000 m verläuft, auch hervorragend für die Gewinnung der oben beschriebenen Bodendaten. Sollte ein Zusammenbruch der Eiskappe Grönlands erfolgen, wird er nach aktuellen glaziologischen Modellrechnungen voraussichtlich in diesem Bereich beginnen.

Welcher wissenschaftliche Beitrag kann nun während einer Überquerung des Inlandeises auf Skiern geleistet werden?
Im Rahmen der Expedition soll ein geodätisches Höhenprofil zur Gewinnung von Bodenkontrolldaten gemessen werden. Ein solches Profil kann mit speziellen GPS-Geräten mit einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern für die Punkthöhen bestimmt werden. In regelmäßigen Abständen sollen Markierungen gesetzt und eingemessen werden, um bei einer möglichen späteren Wiederholungsmessung  auch die Eisbewegung bestimmen zu können. Solche Markierungen können mit Radargeräten selbst dann wiedergefunden werden, wenn sie durch Schneeakkumulation an der Oberfläche nicht mehr sichtbar sind. Für die Orte, an denen sich die Camps befinden werden, können auch schon aus den Daten unserer Expedition Eisbewegungen bestimmt werden, wenn sie etwa 3 m/a übersteigen. Die zu erwartenden Bewegungen betragen insbesondere im Randbereich der Eiskappe ein Mehrfaches dieses Wertes.
 
 
 

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