|
Jahrestagung 2004 Geodaten: Mehrwert für die Gesundheit?
- Programm und Abstracts - Organisation und Leitung: AK Medizinische Geographie in der Deutschen Gesellschaft für Geographie AG Räumliche Statistik der deutschen Region der internationalen biometrischen Gesellschaft Inhalt
Freitag, 08. Oktober 2004 Samstag, 09. Oktober 2004
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Versorgungssituation von Krebspatienten in Schleswig-Holstein nach räumlichen Gesichtspunkten Hintergrund/Ziel: Das Institut für Krebsepidemiologie (Lübeck) führt eine mehrjährige Studie (seit Herbst 2002) zur Situation der medizinischen Versorgung von Patienten mit Mammakarzinom, Prostatakarzinom und malignem Melanom der Haut durch (OVIS = Onkologische Versorgung in Schleswig-Holstein). Befragt werden sowohl Patienten, als auch die behandelnden Ärzte. Erhoben werden Angaben zu den Bereichen Diagnostik, Therapie, Rehabilitation, Nachsorge und gesundheitsbezogene Lebensqualität. Dabei wird das Studienkollektiv mit Hilfe der Bestandsdaten des Krebsregisters rekrutiert. Diese Vorgehensweise hat den großen Vorteil auch die Gruppe der Nonresponder und der nicht eligiblen Patienten epidemiologisch und in ihrer räumlichen Verteilung beschreiben zu können. Methode: Die verschiedenen Patientenkollektive (nicht eligible Patienten, Nonresponder, Resonder) werden bezüglich verschiedenen epidemiologischer Variablen miteinander verglichen. Auf die räumliche Zuordnung (gemäß der Raumkategorien des Landesraumordnungsplanes) wird eingegangen. Ergebnisse: Bei 968 Patienten mit Prostatakarzinom konnte wegen fehlender Einwilligung keine Befragung durchgeführt werden (A). Von den 994 mit Einwilligung zu Studienzwecken angeschriebenen Patienten haben 767 an der Befragung teilgenommen (R) und 227 nicht geantwortet (NR). Das mittlere Erkrankungsalter schwankt bei den Gruppen zwischen 67,1 ± 7,0 (R) über 69,6 ± 8,5 (A) bis zu 70,6 ± 7,5 Jahren (NR). Nonresponder kommen relativ seltener aus Großstadtrandgebieten (NR: 7,9%; R: 12,1%; A:12,9%). Responder sind häufiger operiert (NR: 59,2%; R: 79,6%; A: 66,5%), Nonresponder erhalten häufiger eine Hormontherapie (NR: 73,2%; R: 47,1%; A:59,8%). Diskussion: Mit Hilfe populationsbezogener Krebsregisterdaten lassen sich nicht-eligible Patienten, Responder und Nonresponder epidemiologisch beschreiben. Hinsichtlich Alter, geographischer Herkunft und Therapie unterscheiden sich die Gruppen z. T. erheblich. Diese Verzerrungen müssen bei der Interpretation der Studienergebnisse beachtet werden. Aufgrund des Bevölkerungsbezuges dieser Versorgungsstudie und eben der Möglichkeit nicht teilnehmende Patienten epidemiologisch zu beschreiben, lassen sich auch räumliche Variationen der Versorgung aufzeigen |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Medizinische Versorgung im ländlichen Raum – Handlungsbedarf und Steuerungsmöglichkeiten am Beispiel der Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla-Kreis Darstellung der Ergebnisse meiner Diplomarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin (2003/2004). "Landarztpraxis an Nachfolger zu verschenken.".. mit Meldungen wie dieser wird seit einiger Zeit in den Medien auf das Problem der ärztlichen Versorgung in ländlichen Räumen der neuen Bundesländer hingewiesen. Vertragsärzte, die zu großer Zahl aus Altersgründen ausscheiden wollen, können keinen interessierten Nachwuchs zur Übernahme ihrer weniger lukrativen Praxen in ländlicheren Gebieten finden. Diese Entwicklung wird von den Bürgern der Kommunen, aber auch von Ärzteverbänden mit Sorge betrachtet. Erhebliche Einschränkungen der Versorgungsqualität der Bevölkerung und damit weitere Einschnitte in die Attraktivität ländlicher Räume werden befürchtet. Neben Strategien gegen lokalen bzw. regionalen Ärztemangel sind folglich gerade in dünn besiedelten Regionen auch Konzepte zur Sicherung der Versorgung in der Fläche notwendig. In meiner Diplomarbeit beschäftigte ich mich am Beispiel der Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla-Kreis mit dem Problem des Ärztemangels und der flächendeckenden med. Versorgung im ländlichen Raum, um Handlungsansätze abzuleiten und örtliche Akteure zu unterstützen. Diese beiden Landkreise nahmen an einem Modellprojekt der Raumordnung (BBR/BMVBW) teil, das sich an ländlich-periphere Regionen mit Bevölkerungsrückgang in den neuen Bundesländern richtete. Ziel war es, durch kooperative Ansätze Anpassungsstrategien an die veränderten Auslastungs- und Bedarfsstrukturen des Infrastrukturangebots zu erarbeiten, um die anstehenden Schrumpfungsprozesse aktiv zu gestalten (www.regionale-anpassung.de), und Vernetzungspotenziale zwischen bisher nicht miteinander kooperierenden regionalen Akteuren zu nutzen. Dabei untersuchte ich zum einen mit Einsatz von GIS die gegenwärtige kleinräumige vertragsärztliche Versorgungssituation in den beiden Kreisen, um den Handlungsbedarf auf Basis der geltenden Maßstäbe (Bedarfsplanung, Regionaler Raumordnungsplan) zu konkretisieren. Zum anderen analysierte ich das System der räumlichen Organisation und Planung der vertragsärztlichen Versorgung, um Anknüpfungspunkte für kooperative Handlungsansätze auf regionaler und kommunaler Ebene herauszuarbeiten. Einem akteursorientierten Ansatz folgend, arbeitete ich anhand von Experteninterviews institutionelle und inhaltliche Grundlagen einer Zusammenarbeit zwischen gesundheitspolitischen Akteuren und Vertretern der fachübergreifenderen Planungsseite heraus. Im Mittelpunkt stand dabei, welche Ziele und Steuerungsinstrumente hinsichtlich einer flächendeckenden Versorgung bestehen, und wie eine solche in Zukunft gestaltet werden könnte. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Werkstattbericht Medizintourismus – Der Medizintourismus kann seit den letzten drei Jahren auf eine starke, nicht immer positive Medienpräsenz zurückblicken. „Zeugung auf belgisch“, „Petrodollar in der Klinikkasse“ oder „Sommer, Sonne, neue Zähne“ titelt Der Spiegel. „Neue Zähne, schöne Nase, scharfe Augen! Ist Osteuropa billiger, aber riskanter?“ lautet die Headline der BR-Ratgebersendung Die Sprechstunde. Die neuste Schlagzeile klingt wenig euphorisch: „Patienten-Ansturm auf Osteuropa bleibt aus“ teilt die Barmer Ersatzkasse mit. In Zeiten der Überlastung (öffentlicher) Kassen und Sozialsicherungssysteme werden immer mehr Einschnitte zu Lasten des Einzelnen gemacht. Gerade in der Gesundheitsversorgung steigen die Kosten unaufhaltsam. Auf der anderen Seite wachsen die internationalen Touristenankünfte trotz Terror- und Seuchengefahr, und auch die Prognosen gehen von weiterhin exponentiellem Wachstum aus, wobei besonders den gesundheitstouristischen Bereichen ein hohes Steigerungspotenzial bescheinigt wird. Für den Medizintourismus sind beide Entwicklungen förderlich, doch auch eine Reihe anderer Faktoren begünstigen seine Entstehung. Die demographische Entwicklung in Europa beispielsweise, die dessen potenzielle Kundschaft anwachsen lässt oder auch die gestiegene Gesamtmobilität, das zunehmende Gesundheitsbewusstsein und nicht zuletzt die verstärkte Bereitschaft, selbst finanzielle und zeitliche Mittel in die Gesundheit zu investieren unterstützen eine Konjunktur des Gesundheits- und des Medizintourismus. Der Vortrag versucht zunächst einen theoretischen Rahmen des Medizintourismus festzulegen. Wo lässt sich der Medizintourismus innerhalb der Geographie einordnen, welche Erscheinungen können ihm zugerechnet werden und welche Faktoren sind seine Grundlage? Einer kurzen Darstellung der verschiedensten medizintouristischen Bewegungen weltweit folgt das konkrete Beispiel des ungarischen „Zahnarzttourismus“. Mit Hilfe der synoptischen Auswertung mehrerer im August 2004 in Ungarn geführter Expertengespräche und den vorläufigen Ergebnissen der Patientenbefragung sollen unterschiedliche Typen von Medizintouristen herausgestellt werden. Die standardisierte schriftliche Erhebung zwischen Mai und August 2004 aus 4 Praxen lässt zwar keine repräsentativen Schlüsse, gleichwohl eine erkennbare Richtungsweisung für den Markt und die Angebotslücken des Medizintourismus zu. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Aufbau einer historisch-administrativen Geodatenbank –Anwendungsperspektiven für die medizinische Geographie Die Geschichte Europas ist von einem unaufhörlichen Wandel seiner Staaten und Regionen gekennzeichnet. Probleme bei der Definition von Grenzen spielten vor dem 19. Jahrhundert eine Hauptursache für die Entstehung bewaffneter Auseinandersetzungen. Verbesserungen in Vermessungsmethoden und kartographischer Technik zogen eine zunehmende Verwendung von Karten in der Diplomatie nach sich. Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts können Staatsgrenzen als de jure Ausdruck der räumlichen Begrenzung von Staatsmacht gewertet werden. Trotz unzähligen Kartenmaterials in historischen Atlanten und Bibliotheken gibt es heute keine geographische Datenbank, welche die historischen Grenzen Europas lückenlos auf regionaler Ebene zur Verfügung stellt. Dabei wäre sie von großem Nutzen für die Verwendung in Geoinformationssystemen oder Internet-Applikationen aus der Sicht unterschiedlicher Forschungsdisziplinen. Ein Forschungsprojekt an der Technischen Fachhochschule Berlin hat es sich, in Kooperation mit dem Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung und der Universität de Lleida, zur Aufgabe gemacht, eine historisch-administrative Geodatenbank für Europa von 1871 bis 2000 aufzubauen. Der räumliche Rahmen wird gebildet durch die jeweils gültigen Grenzen zum damaligen Russischen Reich bzw. zur Sowjetunion. Auf regionaler Ebene werden die administrativen Grenzen der meisten Länder bis zum Level NUTS 3, der kleinsten Stufe einer Klassifikation von Gebietseinheiten des europäischen Parlaments dargestellt. Neben der vollständigen Dokumentation aller Veränderungen während dieser 130 Jahre, die besonders für Historiker und Geographen von großem Interesse ist, stellt die Datenbank die starken regionalen Unterschiede in der Entwicklungsgeschichte der europäischen Staaten deutlich in den Vordergrund. Spanien erlebte im dargestellten Zeitraum beispielsweise eine hohe Beständigkeit seiner Grenzen, wogegen Deutschland zu 25 unterschiedlichen Zeitpunkten Veränderungen erfuhr. Somit bietet die Datenbank ebenfalls eine wichtige Quelle für die Sozialforschung. Auch für den Gesundheitsbereich kann das Ergebnis des Projektes ein hilfreiches Werkzeug für geographische Analysen mit dem Faktor Zeit zur Verfügung stellen. Die Zeit wurde in den letzten Jahren als vierte Dimension im GIS wahrgenommen und in Lehrbüchern berücksichtigt. Gerade die rasanten Entwicklungen in der Medizin bieten sich für eine Aufbereitung und Visualisierung im GIS an. Es wird die regionale Entwicklung der Gesundheitsversorgung in Deutschland seit 1876 an ausgewählten Beispielen dargestellt. Interessante Erkenntnisse, die ansonsten verborgen bleiben, werden durch die kartographische Darstellung auffällig. Besonders die Verwendung moderner GIS-Technologien, wie der Grid-Technik bieten viel versprechende Analysemöglichkeiten. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Krebsregistrierung im Umland einer Großstadt (Hamburger Randgebiet) Hintergrund/Ziel Für sichere epidemiologische Auswertungen auf der Basis von Krebsregisterdaten ist die Vollzähligkeit der Erfassung (>= 90% nach IARC) eine Grundvoraussetzung. Gerade im Grenzbereich eines Registers lässt sich eine vollzählige Erhebung nur schwer realisieren, da Patienten auch außerhalb des Erfassungsgebietes diagnostiziert und therapiert werden. In besonderem Maße trifft das zu, wenn große Zentren an das Erfassungsgebiet angrenzen – in diesem Beispiel das Zentrum Hamburg an seine schleswig-holsteinische Umgebung. Aufgrund der föderalen Struktur des Gesundheitssystems – und damit verbunden auch der Krebsregistrierung – ist ein Austausch von Daten zwischen den Krebsregistern z.T. sehr kompliziert. Zwischen den Krebsregistern Hamburg und Schleswig-Holstein wurde ein Datenaustausch initiiert, dessen Auswirkungen hier untersucht werden. Methode Zur räumlichen Abgrenzung des Hamburger Umlandes werden die Raumkategorien der Landesraumordnung Schleswig-Holstein verwendet. Die Vollzähligkeit der Registrierung für Krebs gesamt (ICD 10, C00-C96 ohne C44) wird mit dem Verhältnis Mortalität / Inzidenz auf der Basis der Daten des saarländischen Krebsregisters für die einzelnen Raumkategorien geschätzt. Untersucht wird die Vollzähligkeit a) für verschiedene Diagnosejahre bei konstantem Erfassungszeitraum b) für ein Diagnosejahr in zeitlichen Verlauf. Ergebnisse Die Vollzähligkeit bei konstantem Erfassungszeitraum (jeweils 18 Monate nach Ende des Diagnosejahres) konnte von 55% auf 82% verbessert werden (im Verdichtungsraum von 44% auf 71%). Auch im zeitlichen Verlauf konnten Steigerungen erreicht werden. So konnte für das Diagnosejahr 2000 bereits nach 2,5 Jahren eine höhere Vollzähligkeit als für das Jahr 1999 nach 3,5 Jahren erreicht werden. Diskussion Die Verwendung von Raumkategorien als Aggregationsebene bzw. Abgrenzungskriterium erlaubt ein differenzierteres Bild der Vollzähligkeit, umgeht die Heterogenität der ansonsten häufig genutzten Kreisebene und stellt einen Mehrwert für die Gesundheitsberichterstattung dar. Diese Untersuchungsmethode ist für die interne Qualitätssicherung der Registerdaten für alle Bundesländer interessant, an deren unmittelbaren Grenzgebiet Großstädte gelegen sind. Für das Erreichen der Vollzähligkeit ist der Datenaustausch zwischen Krebsregistern zwingend notwendig. Erst durch einen intensiven Datenaustausch zeigen sich für das Hamburger Umland epidemiologisch verwertbare Datengrundlagen. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Eine GIS gestützte Identifizierung und Analyse von regionalen Clustern im Gesundheitswesen Das Gesundheitswesen könnte weltweit zu einem der wichtigsten Märkte der kommenden Jahre werden, da in Zukunft nachhaltige positive Beiträge für Wachstum und Beschäftigung erwartet wird. Der Gesundheitssektor gilt nicht mehr nur als kostenverursachende Last, sondern auch als „Schlüsselbranche“ für die gesamte Volkswirtschaft. Infolgedessen wird in jüngster Zeit das „Clusterkonzept“ auf die Gesundheitswirtschaft angewandt. In der Praxis basiert die Prüfung von Cluster häufig auf einer Aufgliederung von begrenzten Indikatoren oder auf Wahrscheinlichkeiten oder Wünschen über wirtschaftliche Beziehungen regionaler Unternehmen und Instituten einer schon selektierten Region. Bei vorhandenen Clusterstudien wurden bisher keine einheitlichen Methoden und Kriterien verwendet, um einzelne Cluster zu identifizieren, zu analysieren und evtl. vergleichen zu können. Gesucht werden zu erst einmal räumliche Konzentrationen und Netzwerke von Unternehmensstandorten einer vordefinierten Wertschöpfungskette. Mit GIS soll ein Suchraster von der nationalen bis zur lokalen Ebene erstellt werden, um potentielle Ansätze von Gesundheitsclustern in Deutschland ausfindig machen zu können. Bei Spezialisierungen entstehen auch in neueren Tätigkeits- und Wissensbereichen Wertschöpfungsketten die über Branchengrenzen hinweg gehen. Gerade im Gesundheitswesen oder Life Science arbeiten Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Gleichzeitig sollen Möglichkeiten und Grenzen der Analyse mit GIS für eine wirtschaftsgeographische Untersuchung aufgezeigt werden. Hier sind v. a. die Darstellung von Netzwerken bzw. Transaktionsnetzen und Innovationssysteme hervorzuheben. Dabei gilt zu untersuchen, was mit der Auswertung durch GIS schon erkannt werden kann, da in der Empirie betont wird, dass eine detaillierte Analyse der Cluster lediglich über die Befragung der einzelnen Cluster-Akteure und -Experten auf der lokalen Ebene möglich ist. Der Datenschutz ist, besonders im Gesundheitsbereich, ein hoch sensibler Diskussionspunkt. Die Datenbeschaffung für ein Aufzeigen einer Spezialisierung wird infolgedessen schwierig sein, da amtliche Daten nicht die dazu nötige kleinräumige Aufgliederung und Klassifikationen liefern können. Gegebenenfalls kann mit Hilfe von anderen Datenquellen exemplarisch aufgezeigt werden, dass die GIS Technik eine Auswertung bis auf kleinsträumige Ebenen zulässt. Das Ergebnis dieser Untersuchung könnte möglicherweise eine Konzentration der Gesundheitsbranche in bestimmten Dienstleistungsbereichen hier „Krankheiten“ aufzeigen. Wobei für die Clusterforschung die Frage nach der Korrelation zwischen Länge der Wertschöpfungskette und der Bedeutung für die Region ist. Weiteres Interesse an solch einer „GIS-Fachschale“ können politische Akteure für die Regionalplanung und auch Gesundheitsökonome für eine kleinräumige Versorgungsforschung sein. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Ökologische Studie zu regionalen Risikofaktoren für EHEC und HUS in Niedersachsen Einleitung Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind Darmbakterien, die sog. Shigatoxine bilden und blutige Durchfälle auslösen können. Als lebensbedrohliche Komplikation dieser Infektion kann das hämolytisch urämische Syndrom (HUS) auftreten, das durch akutes Nierenversagen gekennzeichnet ist. Bei Betrachtung der regionalen EHEC-Inzidenzen in Niedersachsen zeigen sich deutliche Unterschiede. Im nordwestlichen Regierungsbezirk (RB) Weser-Ems betrug in den Jahren 2001-2003 die durchschnittliche jährliche EHEC/HUS-Inzidenz 3,5 Fälle je 100 000 Einwohner, im südöstlichen RB Braunschweig dagegen nur 0,7. Da vermutet wird, dass EHEC häufig von Rindern auf den Menschen übertragen wird, wurde in einer ökologischen Studie die Assoziation zwischen der Vieh- bzw. Rinderdichte und der EHEC/HUS-Inzidenz untersucht. Methodik Zur Analyse der räumlichen Korrelation wurden mehrere Regressionsansätze gewählt. Zunächst wurde mittels klassischer linearer Regression die Assoziation zwischen den regionalen Viehdichten und den EHEC/HUS-Inzidenzen analysiert. Da der Landkreis Vechta bei vielen Nutztierarten eine besonders hohe Viehdichte aufweist und somit Ausreißer-Effekte verursacht, wurden Analysen ohne diesen Landkreis durchgeführt. Neben den Viehdichten wurden soziodemographische Confounder berücksichtigt. Als alternativer Ansatz wurde mittels der Software GeoBUGS eine Bayesianische Analyse mit einem Poisson-Modell durchgeführt, das die Berücksichtigung räumlicher Abhängigkeit benachbarter Regionen erlaubte. Ergebnisse Die Analyse ergab eine signifikante Assoziation zwischen der Rinderdichte und der EHEC/HUS-Inzidenz, die je nach Modellansatz unterschiedlich deutlich ausfiel. Von den soziodemographischen Faktoren zeigte nur die Arbeitslosigkeit (speziell bei den über 55jährigen) eine nennenswerte Assoziation zur Inzidenz. Bei Berücksichtigung räumlicher Abhängigkeiten im Bayesianischen Ansatz schwächte sich die Assoziation zwischen Rinderdichte und EHEC/HUS-Inzidenz ab und verlor ihre Signifikanz. Diskussion In dieser Untersuchung zeigte sich eine deutliche Assoziation der EHEC/HUS-Inzidenz mit der Vieh- bzw. Rinderdichte. Für die Analyse der soziodemographischen Einflussfaktoren waren möglicherweise die räumlichen Einheiten nicht klein genug. Im Bayesianischen räumlichem Modell zeigte sich eine Kompensation der räumlichen Korrelation benachbarter Regionen und des Effekts der Rinderdichte. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
A stochastic model for multivariate surveillance of infectious diseases We describe a stochastic model based on a branching process for analyzing surveillance data of infectious diseases that allows to make forecasts of the future development of the epidemic. The model is based on a Poisson branching process with immigration with additional adjustment for possible overdispersion. An extension to a longitudinal model for the multivariate case is described. The model is estimated in a Bayesian context using Markov Chain Monte Carlo (MCMC) techniques. We illustrate the applicability of the model through analyses of simulated and real data.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Epidemiologische Studie zur Verbreitung von Legionella-pneumophila im Einzugsgebiet eines Klinikums im Land Brandenburg mit Hilfe Geographischer Informationssysteme In einem Klinikum im Land Brandenburg traten innerhalb von zwei Jahren mehrere Legionellen-Erkrankungen auf. Dabei handelte es sich um zwei Ausbrüche, bei denen einmal sieben und einmal fünf Patienten des Klinikums erkrankten. Eine direkte Zuordnung der Untersuchungsergebnisse für Legionellen aus dem Trinkwasser-Installationsnetz des Klinikums zu den erkrankten Patienten war nur selten möglich, weil die Untersuchungsergebnisse nicht immer im zeitlichen und örtlichen Zusammenhang zum betroffenen Patienten vorlagen. Daher liegt es zwar nahe, dass beide Ausbrüche von Legionellen-Pneumonien im Zusammenhang mit Legionellen-kontaminiertem Trinkwasser stehen, jedoch konnte kein eindeutiger Infektionsweg für die Übertragung der Legionellen verifiziert werden. Auch die Analyse der Patientendaten ergab keine eindeutigen Hinweise auf bestimmte Faktoren, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko vergesellschaftet waren. Vor dem Hintergrund der ungeklärten Ursache des Auftretens von Legionellosen wurde nun eine prospektive epidemiologische Studie für den Zeitraum eines Jahres durchgeführt, bei der der Legionella-Serostatus der Klinikumspatienten zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme sowie mögliche Risikofaktoren für Legionella-Infektionen außerhalb des Klinikums erfasst und analysiert wurden. Die für eine mögliche Infektion mit Legionellen relevanten Informationen der Patienten werden per Fragebogen zum Zeitpunkt der Aufnahme in das Klinikum erfasst. Die räumliche und statistische Analyse der erhobenen Daten der Patienten sollte nun Aufschlüsse über mögliche umwelt-assoziierte Risiken erbringen. Voraussetzung der räumlichen Analyse im GIS ist die Geocodierung der Patientendaten, wobei die Wohnadresse eines jeden Patienten zugrunde gelegt wurde. Das Ziel der statistischen sowie geostatistischen Analysen ist die Untersuchung der Verteilung der Patienten mit unterschiedlichem Serostatus und deren Nähe zu relevanten Risikofaktoren in der Umwelt, wie sie für die Verbreitung von Legionellen von Bedeutung sind. Aus dem Bereich der GIS-gestützten räumlichen Analyse wurden Verfahren der Point Pattern Analysis zur Bestimmung der räumlichen Punktdichte, u. a. nach positivem und negativem Serostatus sowie zur Ermittlung der räumlichen Punktverteilung angewendet. Außerdem wurde untersucht, inwieweit jeweils positive oder negative Befunde und deren Aussagen zu den umweltrelevanten Informationen des Fragebogens miteinander korrelieren. Über diese Punkt-Basierte Analyse mittels Geocodierung hinaus konnte anhand der Aggregation der Punktdaten auf die jeweiligen Postleitzahlbezirke weitere Erkenntnisse erzielt werden. Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass im Bereich der umwelt-assoziierten Erkrankungen, zu denen auch die Legionellosen zu rechnen sind, die räumlich-statistische Analyse mit Hilfe von GIS eine wichtige Voraussetzung ist, um Fragen des Infektionsweges sowie des Infektionsrisikos zu beantworten.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Anwendung von GIS im Rahmen der Tierseuchenüberwachung und -bekämpfung 1 Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Institut für Epidemiologie; Seestr. 55, D-16868 Wusterhausen/Dosse 2 Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft; Geografische Informationssysteme (GIS) werden in vielfältiger Art und Weise bei der Tierseuchenüberwachung und -bekämpfung eingesetzt. Beispiele hierfür sind das Tierseuchennachrichtensystem (TSN) und das Überwachungssystem zur epidemiologischen Situation der Schweinepest bei Wildschweinen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Deutschland. Das TSN ist das einheitliche Computergestützte nationale Berichtssystem für Tierseuchen und Tierkrankheiten, welches seit 1995 in allen Veterinärbehörden Deutschlands genutzt wird. Seit der Einführung der ersten Windows-Version von TSN im Dezember 2000 wurde das System zu einem Krisenmanagementsystem weiterentwickelt. Neben der Integration von Internet-Technologien zur Datenübertragung und Online-Abfragen der zentralen Tierseuchendatenbank wurden im Besonderen GIS-Funktionalitäten in die Software integriert. Durch die flächendeckende Verbreitung der Software ist es bundesweit möglich, die Koordinaten von Seuchenausbrüchen und Tierhaltungen zu digitalisieren. Mittels eines integrierten Karten-Explorers ist es möglich, flexible kartographische Auswertungen und aussagekräftige Kartendarstellungen zu erzeugen. Schwerpunkt der Implementierung der GIS-Komponente war neben der einfachen Handhabung, die Verfügbarmachung einer komfortablen Kartenbasis (MrSID-Rasterkarten, ATKIS-Daten und administrative Grenzen im Shape-Format) und die Integration von Mechanismen zur automatischen Koordinatentransformation bei Verwendung heterogener Kartenwerke (unterschiedliche Bezugs-, Koordinaten- und Streifensysteme). Im September 2002 wurde am Institut für Epidemiologie in enger Kooperation mit der zuständigen Arbeitsgruppe der Europäischen Kommission die Entwicklung einer Einzeltierbasierten Surveillance-Datenbank zur Schweinepest begonnen. Die Datenbank wurde als Internet-Projekt realisiert und erlaubt die Dateneingabe sowie die Auswertung der Untersuchungsdaten alleine über einen Internet-Browser. Der Zugang der Internet-Seite ist durch Sicherheitsmechanismen geschützt. Die Nutzer müssen sich über Nutzernamen und Passwörter eindeutig identifizieren. Alle von den EU-Mitgliedsländern benannten Benutzer der Datenbank können den Datenbankinhalt lesen und auswerten, aber nur eine definierte Nutzergruppe kann die Daten des jeweiligen eigenen Landes verändern (hinzufügen, editieren oder löschen). Die Dateneingabe umfasst die Charakterisierung des einzelnen Wildschweins (Geschlecht, Alter, Todesursache und Lokalisation) sowie die Ergebnisse der labordiagnostischen Untersuchung (Virologie und/oder Serologie) und kann sowohl über eine HTML-Maske im Browser als auch durch Upload über eine Batch-Datei für größere Datenmengen erfolgen. Zu diesem Zwecke wurden entsprechende Schnittstellen zu Datenbanksystemen der Untersuchungseinrichtungen geschaffen. Neben der tabellarischen Auswertung erlaubt ein Internet-Kartenserver auch die Darstellung der Untersuchungsergebnisse in Form von Karten unter Berücksichtigung der administrativen Grenzen und topographischen Gegebenheiten. Eine der wichtigsten Aufgaben dieses Projektes ist die transparente kartographische Darstellung der epidemiologischen Situation der Schweinepest bei Wildschweinen zwischen den beteiligten Ländern. Weiterhin dient die Datenbank der Arbeitsgruppe zur Schweinepest bei Wildschweinen der Europäischen Kommission als Grundlage für Ihre Empfehlungen zur Seuchenbekämpfung an den Ständigen Veterinärausschuss der EU und die jeweiligen Mitgliedsländer sowie als Basis für eine umfangreiche Risikoanalyse in Raum und Zeit. Eine Erweiterung der Datenbank auf andere EU Mitgliedsstaaten oder assoziierte Länder ist jederzeit möglich. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Analyse einer heterogenen regionalen Verteilung gemeldeter Kryptosporidiosen in Niedersachsen: Realer Effekt oder diagnostischer Bias? Einleitung Kryptosporidiose ist eine parasitäre Darminfektion, verursacht durch Cryptosporidium parvum. Die Übertragung kann durch verunreinigtes Wasser oder verunreinigte Lebensmittel erfolgen. Tierische Reservoirs sind Haustiere und Rinder. In Niedersachsen fällt seit Bestehen der Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz im Jahr 2001 eine heterogene regionale Verteilung der gemeldeten Kryptosporidiosen mit höherer Inzidenz in den Regierungsbezirken (RB) Lüneburg (3,9 Fälle pro 100 000 E.) und Weser-Ems (3,4) und niedriger Inzidenz in den RB Braunschweig (0,4) und Hannover (1,1) auf. Methodik Zur Bestätigung des Effekts der regionalen Heterogenität wurde eine regionale Clusteranalyse mit dem Scan-Verfahren durchgeführt. Um festzustellen, ob das beobachtete Muster auf diagnostische Schwerpunkte bei den behandelnden Ärzten oder Laboratorien zurückzuführen ist, wurde in den fünf Landkreisen mit den höchsten Fallzahlen in den Jahren 2002 und 2003 eine retrospektive Erhebung durchgeführt, bei der u.a. der einsendende Arzt und das untersuchende Labor in verschlüsselter Form erhoben wurde. Ergebnisse In den Jahren 2001 – 2003 wurden aus Niedersachsen insgesamt 485 Kriptosporidiose-Fälle übermittelt. Der räumliche Cluster-Test mit dem Scan-Verfahren zeigte drei hoch signifikante Cluster: 1. Landkreise Cuxhaven, Osterholz, Stade, Wersermarsch, Rotenburg, Friesland und Stadt Delmenhorst. 2. Landkreis Vechta. 3. Landkreise Nienburg und Diepholz. Es fällt auf, dass die Region um Bremen am stärksten betroffen war. Die Abfrage bzgl. der Laboratorien und einsendenden Ärzte ergab, dass in den fünf ausgewählten Landkreisen 89,9% der 147 gemeldeten Kryptosporidien-Nachweise in Labor A durchgeführt wurden, 8,2% in Labor B und nur 2% in weiteren Laboratorien. Bei den einsendenden Ärzten ergab sich keine auffällige Konzentration auf einzelne Ärzte. Diskussion Diese Untersuchung zeigt, dass die Ursache der auffälligen Kryptosporidiose-Cluster nicht primär auf besondere Expositionsrisiken in der betroffenen Region zurückzuführen ist, sondern vermutlich auf ein besonderes Untersuchungsverhalten regionaler Laboratorien. Nach Auskunft der Laboratorien A und B wird dort die Indikation für die Kriptosporidien-Diagnostik weiter gefasst als in anderen Laboratorien. Zur weiteren Bestätigung der Hypothese eines diagnostischen Bias wäre allerdings noch der Vergleich mit einer Kontrollerkrankung erforderlich. Für die Infektionssurveillance lässt sich folgern, dass Labor-Effekte einen wesentlichen Einfluss auf die regionale Verteilung und damit auf die Interpretierbarkeit regionaler Surveillance-Daten haben können.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Raumzeitliche Variabilität von Niederschlägen als möglicher Auslöser wasserbürtiger Durchfallerkrankungen am Beispiel des Regierungsbezirks Köln „Global climate change will have a wide range of health impacts“ IPCC Report 2001:453 Die aktuellen Studien des International Panel on Climate Change (IPCC) sowie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) prognostizieren einen globalen Klimawandel, welcher sich regional sehr unterschiedlich darstellen wird. So wird für Nordeuropa eine Zunahme der Niederschläge in den Wintermonaten bei abnehmenden Sommerniederschlägen vorausgesagt. Gleichzeitig wird mit dem vermehrten Auftreten von Starkniederschlägen und anderen Extremereignissen gerechnet. Aufgrund der zu erwartenden ökologischen und sozioökonomischen Folgen, wird besonders der langfristige Trend solcher Extremereignisse intensiv untersucht. Auch in Ländern mit hoch entwickelten Wasserversorgungsstrukturen kann es kein Null-Risiko für die Übertragung von Krankheitserregern durch Trinkwasser geben. Eine Studie der Johns Hopkins Universität aus dem Jahr 2001 belegt, dass mehr als die Hälfte aller wasserbürtigen Krankheitsausbrüche in den USA Starkniederschläge vorausgegangen waren. Auch im europäischen Raum sind wasserbürtige Krankheitsausbrüche mit einer hohen Niederschlagsvariabilität assoziiert worden. Vor dem Hintergrund des diskutierten Klimawandels mit seinen Auswirkungen auf den regionalen Wasserhaushalt und der prognostizierten Zunahme von Starkniederschlagsereignissen wurde dieser Zusammenhang für den Regierungsbezirk Köln untersucht. Dieser wurde aufgrund des hohen Anteils Oberflächenwasser an der Trinkwasserversorgung als Untersuchungsgebiet gewählt, da Oberflächenwasser als besonders gefährdet für die Kontamination mit fäkal-oral übertragbaren Krankheitserregern eingestuft werden kann. Eine Analyse der täglichen Niederschlagswerte an 42 Stationen des Deutschen Wetterdienstes über einen Zeitraum von 50 Jahren ergab eine Bestätigung des prognostizierten Trends für Nordeuropa. Es wurde eine Zunahme der Winterniederschläge bei abnehmenden Sommerniederschlägen verzeichnet. Die Analyse der Starkniederschläge erfolgte über die Berechnung des 99%-Perzentils und ergab ebenfalls eine Zunahme hinsichtlich der Intensität und des Wiederkehrintervalls. Für die Analyse der potentiell wasserbürtigen Durchfallerkrankungen wurden die Wochenmeldungen der „Enteritis infectiosa - übrige Formen“ herangezogen. Diese lagen für die Jahre 1990 bis 2000 für das Bundesland NRW vor und ergaben steigende Inzidenzraten für diesen Zeitraum. Auf Regierungsbezirksebene standen die Daten nur für die Jahre 1997 bis 2000 zur Verfügung, weshalb sich kein langfristiger Trend für den Regierungsbezirk Köln berechnen ließ. Auf Grundlage dieser Daten konnten die räumlichen und die saisonalen Verteilungsmuster der Enteritisinzidenzen innerhalb des Regierungsbezirks ermittelt werden. Allerdings konnten aufgrund der unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Auflösung der Daten bisher keine statistisch signifikanten Ergebnisse hinsichtlich einer Korrelation der Niederschlagsvariabilität und der Enteritisfälle für den Regierungsbezirk Köln erarbeitet werden. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Infektionskrankheiten und ihre kartographischen Darstellungen in Rheinland-Pfalz Seit Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) am 1. Januar 2001 werden am Institut für Hygiene und Infektionsschutz Daten der meldepflichtigen Infektionskrankheiten aus Rheinland-Pfalz gesammelt und an das Robert-Koch-Institut (RKI) weitergesendet. Es zeigte sich schnell, daß eine Rückmeldung der Ergebnisse dieser Datensammlung zur Motivation der meldenden Behörden und Personen beiträgt. Anfangs wurden die Ergebnisse des Meldewesens in Tabellenform zusammengestellt. Die Resonanz ist allerdings bei der Darstellungsform als Karten sehr viel größer. Räumliche Grundlage der Darstellung der nach Landau gemeldeten Infektionskrankheiten und Erreger sind die politischen Einheiten: Kreise und kreisfreie Städte. Bei Krankheiten nach § 7.3 des IfSG (z.B. Aids, Malaria) – diese werden direkt an das RKI gemeldet – dienen die Postleitzahlen als räumliche Datengrundlage. Probleme: 1) Historische Entwicklung: Rheinland-Pfalz entstand nach dem 2. Weltkrieg aus dem den französischen Streitkräften überlassenen Besatzungsgebiet. Zuvor war das Gebiet verschiedenen Ländern zugeordnet: Im Norden: Preußen; in der Mitte Hessen und Oldenburg und im Süden Bayern. Eine Besonderheit bilden die Bistümer Trier, Mainz und Speyer und die über viele Jahre gehende Zugehörigkeit der Pfalz zu Frankreich. Die Kreise sind historisch unterschiedlich gewachsen und strukturiert. 2) Heutige Gliederung: Die Regierungsbezirke sind offiziell abgeschafft. Für die Übertragung von Infektionen spielen Pendlerströme eine große Rolle. Zwei Großstädte (Frankfurt und Köln) und der Großteil dreier Großräume (Köln-Bonn, Rhein-Main und der Rhein-Neckar) liegen außerhalb des Landesgebietes. 3) Für spezifische epidemiologischer Fragestellungen wie z. B. das Auftreten von Erkrankungen im Einzugsgebiet einer Wasserversorgungsanlage sind die Kreise als Grundlage zu groß. 4) Die Postleitzahlen folgen nicht den Strukturen der politischen Gliederung. 5) Darstellung und Nachbarschaften in einfachen GIS- und Epi-Programmen (z.B. Winbugs), da zahlreiche kreisfreie Städte in Mitten eines nicht zugehörigen Kreisgebietes liegen. Zu kreisfreien Städten gehören vereinzelt unbewohnte Waldgebiete, die die Grenze mit anderen Kreisen bilden. 6) Darstellungsfehler bei großer Bevölkerungsdichte, die in Rheinland-Pfalz, mit vielen kreisfreien Städten mit hoher Bevölkerungsdichte auf kleinen Flächen, häufig auftreten. 7) Ausgewählte Infektionskrankheiten:
Es kann zusammengefasst werden, dass trotz zahlreicher Probleme bei der kartographischen Darstellung von Infektionskrankheiten in Rheinland-Pfalz, die Karte ein sehr leicht zu erfassendes und schnell einleuchtendes Mittel der Weitergabe von Sachinformationen darstellt.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Schließung von Nährstoffkreisläufen im Mekong Delta, Vietnam (SANSED). Gesundheitsaspekte dezentraler Wasserwirtschaftssysteme Durch den internationalen Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, Tierfutter und Düngemitteln entstehen Nährstoffflüsse innerhalb und zwischen den Nationen. Der Überschuss von Nährstoffen stellt vor allem in den industrialisierten Ländern Europas und den USA ein ernstes Problem dar. In nicht industrialisierten und Transformationsländern hingegen stellt die Entsorgung von Abwasser und Müll eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. Daher sind Erkenntnisse über die Verwertung von dezentralen Abwässern zur Bewässerung in der Landwirtschaft, als Dünger sowie deren Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene wichtig. Auf diesen Ergebnissen basierend können Konzepte entwickelt werden, die zum Ausgleich globaler Nährstoffflüsse beitragen. Vor diesem Hintergrund wird in Kooperation der Universität Bonn mit der Universität Bochum das vom BMBF geförderte Projekt SANSED durchgeführt, welches die Schließung landwirtschaftlicher Nährstoffkreise über hygienisch unbedenkliche Substrate aus dezentralen Wasserwirtschaftssystemen erforscht. Ziel des Hygiene-Moduls, welches vom WHO CC der Universität Bonn durchgeführt wird, ist die Einführung eines Monitoring-Programms für verschiedene Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsstrukturen. Das Infektionsrisiko der verwendeten Recycling-Modelle soll verglichen und das Auftreten wasserbürtiger Erkrankungen im Untersuchungsgebiet analysiert werden. Untersuchungsgebiet ist der ländliche Raum der Provinz Can Tho im Mekong Delta. Im Frühjahr 2003 wurden die Untersuchungsstandorte begangen und Probenahmepunkte ausgewählt. Eine Sanitary-Inspection erfolgte nach den Vorgaben der WHO. Die vietnamesischen Partner wurden auf die bakteriologische Untersuchung von Wasser, Kompost und Sedimenten auf Indikatorbakterien und Salmonellen geschult und führten die monatliche Beprobung der Standorte durch. Seit Oktober 2003 werden ausgewählte Proben auch auf Wurmeier untersucht. Weiterhin wurden in 218 zufällig ausgewählten Haushalten Daten zum Auftreten von Durchfallerkrankungen sowie zur Aufbereitung und zum Verzehr von Trinkwasser erhoben. Vorläufige Untersuchungsergebnisse belegen, dass das Grundwasser hygienisch-mikrobiologisch unbedenklich ist. Das gelagerte und aufbereitete Grundwasser ist jedoch nach den Guidelines for Drinking Water Quality (GDWQ) nicht zum Verzehr geeignet. Das Oberflächenwasser stammt aus Kanälen, Flüssen und Teichen und ist immer mikrobiell und chemisch stark belastet, da diese Wasserquellen vielfältigen Kontaminationsquellen ausgesetzt sind. Kanäle dienen als Wasserweg für Schiffe, als Müllkippen, Toiletten, Spülküchen, Waschsalon, Tierzuchtort und Badewannen. In der Regenzeit wird häufig auf Regenwasser zur Trinkwasserzwecken zurückgegriffen. In vielen Orten finden sich Dachrinnen, die direkt in Lagerungsgefäße (Tonkrüge) führen. Dabei wird der erste Dachablauf verworfen und der Regen erst nach 2-3 Minuten aufgefangen. Das Regenwasser hat unmittelbar nach der Sammlung eine gute chemische und mikrobiologische Qualität und kann nach vorherigem Abkochen als Trinkwasser verwendet werden. Um eine Verbesserung der Trinkwasserhygiene zu erreichen, ist es neben technischen Verbesserungen notwendig, geeignete Konzepte zu entwickeln und traditionelle Denkweisen aufzubrechen, oder zu integrieren. Diese müssen vor allem geeignete Desinfektionsmaßnahmen während der Lagerung und nach der Wasserentnahme berücksichtigen. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Naturschutz und Gesundheitsschutz: Potenziale einer neuen Strategie Die Strategien großer gesellschaftlicher und politischer Handlungsfelder in Deutschland haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen deutlichen Wandel vollzogen. Hiervon in besonderem Maße betroffen sind zum einen der Naturschutz, der sich zunehmend als inter- und transdisziplinäres politisches Handlungsfeld zur Sicherstellung einer nachhaltigen Ressourcenbewirtschaftung versteht und partizipatorische Ansätze favorisiert, und zum anderen der Gesundheitsschutz, der sich einer Vielzahl neu bewerteter Risiken (neuartige Infektionskrankheiten, Kanzerogene, Allergene, psychische Erkrankungen etc.) und einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen stellen muss. Gleichzeitig erfolgt über das Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit mit dem Ziel eines präventiven, umweltbezogenen Gesundheitsschutzes eine weitgehende Öffnung gegenüber anderen Umweltdisziplinen. Diese Entwicklungen resultieren aus, zum Teil international wie national kontrovers diskutierten Erfahrungen und Lernprozessen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. Heutzutage ist beiden Strategien der Gedanke einer ganzheitlichen Betrachtung des Mensch-Natur-Systems gemeinsam. Natur- und Wahrnehmungspsychologen, Medizinische Geographen, Alternativ- und Naturmediziner sowie der Wellness-Sektor thematisieren seit mehr als einem Jahrzehnt die enge Verzahnung von Natur/Natürlichkeit und Wohlbefinden/Gesundheit. Auch die Werbebranche hat dieses Thema längst für ihre Zwecke entdeckt. Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass dem Interferenzfeld von Naturschutz und Gesundheitsschutz in Wissenschaft, Politik und Planung bisher (fast) keine Bedeutung beigemessen wird. Das vorgestellte Projekt greift diesen Faden auf und leistet eine systematische Erfassung möglicher Synergiepotenziale und Störungen, die Aufarbeitung gedanklicher oder projektbasierter Beispiele sowie die Identifikation synergistischer Handlungsoptionen. Das Ziel ist, Potenziale für eine effektive Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Gesundheitsschutz zu eruieren und auf dessen Grundlage einen Ziel- und Strategiekatalog „Gesundheitsbezogener Naturschutz als integrale Aufgabe“ zu erstellen. Die Präsentation soll einen Überblick des derzeitigen Projektstandes vermitteln. Als Einstieg dient eine Auswahl von Grundüberlegungen und wissenschaftlichen Konzepten an der Schnittstelle von Natur- und Gesundheitsschutz. Diese leitet über zu einer Reihe von Projekten in verschiedenen Realisierungsstadien mit Fokus auf den Projektraum Nordeifel, in dessen Zentrum sich seit dem 01. Januar 2004 der Nationalpark Eifel befindet. Den Abschluss bildet eine Diskussion zu den Möglichkeiten und Problemen einer in der Durchführung befindlichen Befragung von Handlungsträgern des Naturschutzes und des Gesundheitsschutzes auf internationaler bis lokaler Ebene, um ein Stimmungsbild erwarteter Kommunikationsbarrieren zu erhalten. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Mediko-Geographische Analyse des Landes Brandenburg Ziel dieser Arbeit war, eine kurze mediko-geographische Analyse des Landes Brandenburg zu geben. Im Verlauf der Arbeit wurden natürliche und sozial-ökonomische Faktoren über die Verbreitung der Krankheiten im Land Brandenburg untersucht. Es wurden dabei Literatur und Statistik der Mortalität und Morbidität der Infektionskrankheiten und ökologisch bedingten Krankheiten für die letzten 10 Jahren analysiert (1993-2003). Es wurden dabei 14 Ortskreise und 4 kreisfreie Städte des Landes Brandenburg beschrieben. Die Fälle der Infektionskrankheiten werden regelmäßig registriert, obwohl Krankheiten mit natürlichen Herden im Land Brandenburg zurzeit nicht aktuell sind. Im Land Brandenburg erlangen ökologisch bedingte Krankheiten, wie Kreislaufkrankheiten, Krankheiten der Atmungsorgane sowie bösartige Neubildungen immer mehr an Bedeutung. Die Zahl der Sterblichkeitsfälle an Krebs ist in den letzten 10 Jahren tendenziell gestiegen. Es wird die mediko-geographische Situation in Bezug auf Deutschland vor und nach der Wiedervereinigung, und später auf Europa gezeigt. Auf der Grundlage dieser Arbeit wird ein mediko-geographischer Atlas erstellt. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Trinkwasserversorgung als Schlüsselfaktor für die sozioökonomische Entwicklung eines Trockenraumes am Beispiel der Kanareninsel Lanzarote In ariden Räumen sah sich der Mensch schon immer besonderen Herausforderungen hinsichtlich der Wasserversorgung gegenübergestellt. Der durch die klimatischen Bedingungen hervorgerufene und durch geologisch-geomorphologische Charakteristika verstärkte Wassermangel machte und macht eine effiziente Nutzung der natürlichen Wasserressourcen und ein nachhaltiges Wassermanagement notwendig. Um die Auswirkungen der Trockenheit zu entschärfen, wurden schon vor mehr als 2000 Jahren in vielen ariden Gebieten der Erde Wassergewinnungsmethoden entwickelt, die man heute unter dem Begriff Water Harvesting („Wasserernten“) zusammenfasst. Das Niederschlagswasser wird mit Hilfe von Wasserernteflächen (beispielsweise Hausdächern und Hofflächen) aufgefangen und entweder der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt oder in Zisternen gespeichert, um als Trinkwasser verwendet zu werden. Auch auf den Kanarischen Inseln wurden solche Techniken zur Nutzung des Niederschlagswassers eingesetzt. Besonders auf Lanzarote und Fuerteventura, den niederschlagsärmsten Inseln des Archipels, waren diese Methoden weit entwickelt und trugen entscheidend zur Wasserversorgung bei. Wenn in Trockenräumen die natürlichen Wasserressourcen den Bedarf nicht mehr zu decken vermögen, müssen alternative Methoden der Wassergewinnung herangezogen werden. In Gebieten, die nicht über ausreichende Oberflächen- oder Grundwasserressourcen von adäquater Qualität verfügen, nehmen seit Mitte des 20. Jahrhunderts die Meerwasserentsalzung und das Abwasserrecycling eine bedeutende Funktion ein. In manchen Fällen ist die Abhängigkeit vom industriell produzierten Wasser so groß, dass diese ‘nicht-konventionellen Ressourcen’ sich zur Hauptversorgungsquelle für die Bevölkerung entwickeln. Die neuen Technologien bringen jedoch auch neue Probleme mit sich, deren Lösung zukünftig verstärkt in den Fokus von Politik und Planung rücken muss. Die Entsalzung von Meer- und Brackwasser ist heute als Wassergewinnungsmethode weit verbreitet. Spanien ist derzeit das einzige europäische Land, das im internationalen Vergleich eine bedeutende Rolle bei der Meerwasserentsalzung innehat. Das Wasser war und ist ein Schlüsselfaktor für die sozioökonomische Entwicklung Lanzarotes. In den vergangenen Jahrhunderten stellte der durch ungünstige naturräumliche und klimatische Gegebenheiten bedingte Mangel an natürlichen Wasserressourcen eine große Einschränkung dar. Erst der Beginn der Meerwasserentsalzung Mitte der 1960er Jahre bedeutete den entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung der Insel und ermöglichte die touristische Nutzung. Durch die technischen Möglichkeiten der Entsalzung konnte die naturgegebene Wasserknappheit überwunden werden und der Wassermangel verlor seinen Status als limitierender Faktor. Seither konnte die Wasserproduktion kontinuierlich gesteigert werden, der Trinkwasserbedarf Lanzarotes wird heute zu 99% durch entsalzendes Meerwasser gedeckt. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Space of health-related well-being Economic and ecological changes, but also changes in working conditions, social relationships and life-styles, affect human health and well-being. In Switzerland, the noticeable variety of languages, cultures, identities and social capital, with their respective attitudes and "conceptions of the world", create pronounced regional differences in health-relevant behaviour and in well-being. The individual data from the Swiss Health Polls of 1997 with random sample sizes of 13,004 interviewees include many health variables such as health-related well-being, mental health, physical symptoms, impediments, dealing with alcohol, smoking and drugs, but also age, sex, education, working situation, income, living situation, socio-demographic factors and socio-cultural geographical typologies are considered. With correspondence analysis (CA), the structure of the data of the Swiss Health Polls can be investigated. CA is a powerful instrument for exploratory analyses of categorical data. The easily interpretable display leads to a first heuristic exploration of the structure of the data. Wilkinson (1996) shows that health and income within developed countries are very closely related. There is also increasing evidence that certain characteristics of the area of residence may play a significant role in mediating these individual level relationships (Hart et al. 1997, Macintyre 1996, Mitchell et al. 2000). Kawachi (1997) and Lochner et al. (2000) demonstrated the importance of trust and interaction with the community for maintaining high chances of good health. However, the question is now: can we find such structure relations in the data of Swiss Health Polls? In the present study, simple correspondence analysis shows an association between age and health-related well-being as well as education and health-related well-being. Periurban communities of large and small centres as well as tourist and semi-tourist communities are associated with very good health-related well-being. However, total inertia is less then 1 percent indicating that the variation in the data is low. Multiple correspondence analysis (MCA) enables us to investigate the structure of the data in a more appropriate way. Input data for MCA are either the indicator matrix containing all items or the Burt matrix, the cross-tabulations between all pairs of items to be included in the analysis concatenated in a square block matrix. In MCA, no distinction between independent and dependent variables needs to be made (Thiessen and Blasius 1996). The presentation will focus on, how a space of health-related well-being can be created and how socio-demographic and socio-economic characteristics can be included as supplementary variables. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Notfallmedizin und Sozialstruktur: Überlegungen zu möglichen Ursachen für räumliche Disparitäten bei medizinischen Notfällen Wesentliche Ursachen für räumliche Unterschiede in der Inanspruchnahme von Leistungen der notfallmedizinischen Versorgung können auf individuelle Disposition und gesellschaftliche Organisation zurückgeführt werden. Die detaillierte Ursachenbestimmung ist jedoch sehr komplex zumal weitere Faktoren die Nachfrage nach Leistungen zu bestimmen scheinen. Im Allgemeinen werden drei Dimensionen, die für Gleichheit des Risikos von Morbidität und Mortalität in Industrieländern von Bedeutung sind, unterschieden: 1. die Verfügbarkeit von Gesundheitseinrichtungen, 2. die Inanspruchnahme der Ressourcen, 3. und die gesundheitliche Belastung sowie die physische und psychische Widerstandskraft. Mehrjährige Untersuchungen der Arbeitsgruppe in Kantabrien (Spanien) und in Richmond (USA) haben gezeigt, dass die Notfallnachfrage nicht nur durch Faktoren wie die räumliche Bevölkerungsverteilung und die Altersstruktur bestimmt wird, sondern dass darüber hinaus sozialräumliche Rahmenbedingungen die Inanspruchnahme notfallmedizinischer Leistungen z. T. erheblich mit beeinflussen. Vor diesem Hintergrund werden in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Spezielle Intensivmedizin in einer laufenden Untersuchung „Notfallkataster Bonn“ die Nachfrage und Inanspruchnahme der notfallmedizinischen Versorgung in Bonn systematisch identifiziert und analysiert. Die Untersuchung erfolgt auch im Hinblick auf Reformüberlegungen des Bundes und der Länder zur Steuerung und zum zukünftigen Leistungsumfang des Rettungswesens als Teil der umfassenden Debatte zur Gesundheitsstrukturreform. Der kontinuierliche Anstieg der Fallzahlen insbesondere der notärztlichen Leistungen deutet daraufhin, dass für immer mehr Menschen der Zugang zum Gesundheitssystem über den Rettungsdienst erfolgen wird. Zudem scheinen gerade sozial und finanziell Schwächere medizinische Hilfe erst zu suchen, wenn ihre Beschwerden so stark sind, dass die Inanspruchnahme notfallmedizinischer Leistungen gerechtfertigt erscheint, da die hausärztliche Versorgung bis zum Eintritt der Befreiungstatbestände nicht mehr vollständig gebührenfrei ist. Ein umfassendes Verständnis der Einflussfaktoren, welche die Notfallnachfrage insbesondere in räumlicher Hinsicht mitbestimmen ist für die Planung von Rettungsdienstsystemen und zur Effizienzsteigerung in der Notfallmedizin unabdingbar und wesentliche Voraussetzung für ein bedarfsbasiertes Systemstatusmanagement. In Deutschland steht der Forschung allerdings eine oft nur unbefriedigende Datenlage durch die schwierige Zugänglichkeit und Verknüpfung von medizinischen und soziodemographischen Daten im Wege. Die Durchführung detaillierter Sozialraumanalysen ist wegen des Fehlens aktueller Volkszählungsdaten häufig nur mit erheblichen Einschränkungen möglich. Ein Bestandteil der Untersuchung ist deshalb auch das Testen weiterer in diesem Kontext bisher nicht genutzter Datenquellen. Zur Zeit wird die Nutzung von Daten der Firma microm – einem Unternehmen aus dem Marketingbereich – als Grundlage für eine sozialräumliche Analyse in Verbindung mit den umfassenden Einsatzdaten der zentralen Leitstelle der Bundesstadt Bonn auf ihre Eignung als Basis für ein Notfallkataster getestet. Der Bericht stellt den aktuellen Stand der Forschungsarbeit vor und diskutiert erste Ergebnisse.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Quantitative und qualitative Datenerhebung zur Einschätzung von und zum Umgang mit Gesundheitsrisiken am Beispiel von städtischen Armutsgruppen in Colombo/Sri Lanka In der Präsentation werden Aspekte der quantitativen und qualitativen Datenerhebung, sowie erste Ergebnisse im Rahmen eines laufenden Forschungsprojektes zu „Lebenssicherung, Verwundbarkeit und der Rolle von sozialem Kapital beim Umgang mit Gesundheitsrisiken in städtischen Marginalsiedlungen von Colombo/Sri Lanka“ diskutiert. Unter der Fragestellung, welche Unterstützungsfunktionen soziale Netzwerke und soziales Kapital beim Umgang mit Gesundheitsrisiken unter Bedingungen mangelhafter Infrastrukturversorgung, sozial-räumlicher Marginalisierung, Einkommensarmut und abnehmenden staatlichen Sozialleistungen übernehmen, wurde die empirische Erhebung in vier unterschiedlichen „settlements“ in Colombo durchgeführt. Der angewandte Methodenmix reicht von strukturierten und halbstrukturierten Haushaltsbefragungen, über Interviews mit Schlüsselpersonen wie z.B. Gemeindevertretern, Tiefeninterviews mit Repräsentanten ausgewählter Haushalte mit unterschiedlich ausgeprägten Risikoportfolios, der Anwendung so genannter „Social Capital Assessment Tools“ bis hin zu partizipativen Erhebungsmethoden aus dem Bereich der „Participatory Rural/Urban Appraisal“ (PRA/PUA). Mit Bezug auf die allgemeine Diskussion über die Aussagekraft sowie die „richtige Mischung“ von quantitativen und qualitativen Daten, sollen die hier erhobenen und bisher aufgearbeiteten Daten kritisch betrachtet und auf ihren Raumbezug überprüft werden. Eine besondere Herausforderung liegt hierbei beim „Messen“ und Erfassen von Sozialkapital, der Sichtbarmachung der zugrunde liegenden sozialräumlichen Strukturen und Prozesse und der Rückkopplungen auf den Gesundheitsstatus der betroffenen Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund werden die ersten Ergebnisse der Auswertung und Zusammenführung des Datensatzes vorgestellt und diskutiert. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Verzeichnis der Teilnehmer:
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||