Jahrestagung 2008


Natur – Gesellschaft – Kultur:
Geographische Determinanten von Gesundheit

Vom 09. bis 11. Oktober 2008 fand bereits zum fünften Mal die Jahrestagung des „Arbeitskreises für Medizinische Geographie in der Deutschen Gesellschaft für Geographie“, sowie der „Arbeitsgruppe räumliche Statistik der internationalen biometrischen Gesellschaft der deutschen Regionen“, unter Leitung von Prof. Dr. Jürgen Schweikart, PD Dr. Thomas Kistemann und Dr. Johannes Dreesman, in Remagen bei Bonn statt. Dabei wurden 20 Referate zum Themenkomplex Natur – Gesellschaft – Kultur: Geographische Determinanten von Gesundheit mit Schwerpunkten im Bereich Gesundheitsversorgung, Gesundheits- und Krankheitsrisiken, geostatistische Methoden, Infektionserkrankungen und räumliche Verteilung vorgetragen. Neben den Vorträgen wurden zusätzlich drei Poster präsentiert. An der Tagung nahmen insgesamt 32 Personen aus Deutschland, der Schweiz und aus Kenia teil. Die dreitägige Konferenz wurde in den folgenden sieben Sitzungen (A – F) abgehalten. Während jeder Sitzung wurden drei Vorträge gehalten.

Sitzung A: Gesundheitsversorgung in Deutschland

Im Rahmen dieser Sitzung wurden Konzepte und Vorschläge präsentiert, mit denen die Gesundheitsversorgung in Deutschland optimiert werden kann. Es wurden zunächst Methoden erläutert zum Thema vertragsärztliche Versorgung in Berlin, die im Rahmen einer Masterarbeit angewandt wurden. Hier lag der Schwerpunkt auf der Ermittlung und Visualisierung der ärztlichen Unterversorgung bei einer kleinräumigen Modellierung von Erreichbarkeiten. Ein weiterer Vortrag stellte die Funktionen und Umsetzung eines dynamischen Rettungsdienstsystems vor, das den Einsatz von Rettungswagen auf Basis eines digitalen Straßennetzwerks optimieren soll. Im Mittelpunkt stand hier die optimale Positionierung der Einsatzfahrzeuge im laufenden Betrieb. Das dritte Referat dieser Sitzung zeigte erste konzeptionelle Ansätze eines GIS-basierten Monitorings, das die Inanspruchnahme von Krankenhäusern dokumentieren soll.

Sitzung B: Gesundheitsrisiken – Abschätzung, Bewertung, Konsequenzen

Der Schwerpunkt dieser Sitzung lag auf der Ermittlung und Visualisierung von Gesundheitsrisiken unter Berücksichtigung räumlicher Komponenten. Die Komplexität eines gesundheitlichen Risikos zu erkennen und dieses letztlich unter kartographischen Gesichtspunkten sichtbar zu machen wurde hier präsentiert.
Ein weiterer Vortrag befasste sich mit dem Einsatz von zusätzlichen syndrombasierten Frühwarnsystemen zur Ergänzung der existierenden Überwachungssysteme um Gesundheitsgefahren zu ermitteln. Zudem wurden statistische Methoden aufgezeigt, mit denen Gesundheitsrisiken bei der Immigration von Ausländern nach Deutschland erfasst und damit Rückschlüsse auf die Situation des Herkunftslands gezogen werden können.

Sitzung C: Abiotische Gesundheitsrisiken

Umwelteinflüsse wie Klima, Atmosphäre, Wasser, Licht usw. haben einen entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit. Zusätzlich sind anthropogene Faktoren wie Landwirtschaft oder Umweltverschmutzung maßgeblich und bei der Ermittlung und Untersuchung von Gesundheitsrisiken zu berücksichtigen. In der Sitzung C wurden daher ambitionierte Projekte und Ansätze präsentiert, deren Ziel es ist, Ursachen von Erkrankungen zu untersuchen und zu benennen, unter Beachtung umweltlicher Einflüsse, z. B. der Einfluss des Klimawandels auf die Prävalenz von Hautkrebserkrankungen in Deutschland

Sitzung D: Verbreitung mikrobieller Krankheitsrisiken

In dieser Sitzung wurden Ursachen und Folgen von Erkrankungen und deren Behandlung präsentiert, die auf Mikroorganismen zurück zu führen sind. Für das Land Niedersachsen wurde hier ein Projekt vorgestellt, das ein verbessertes Monitoring von Antibiotikaresistenzen ermöglicht. Dabei wurden Schwierigkeiten bei der Datenbeschaffung und deren Analyse aufgezeigt und anschließend diskutiert.
Ein weiteres Projekt zeigte die Ursachen eines Giardiasis-Ausbruchs und das methodische Vorgehen nach Bekanntwerden der ersten Fälle, unter Rücksicht räumlicher Komponenten. Ein dritter Vortrag zu diesem Themenbereich musste aufgrund von kurzfristiger Erkrankung der Referentin leider entfallen.

Sitzung E: Geostatistische Methoden und ihre Interpretation

Im ersten Vortrag dieser Sitzung wurde das Krebsregister in Deutschland vorgestellt und in diesem Zusammenhang auf die unterschiedlichen geostatistischen Methoden zur Analyse und der Sichtbarmachung von Clustern hingewiesen. Dabei kommt es auf eine genaue Dokumentation der Analysemethode an. Sie ist wichtig, wenn die Ergebnisse an die Medien und damit auch an die Bevölkerung weitergegeben werden. Weiterhin wurde in dieser Sitzung ein Projekt präsentiert, das auf das Risikofeld der nosokomialen Infektionserkrankungen in Kliniken aufmerksam macht. Dafür wurde ein GIS-gestütztes Infektions-Info-System (IIS) entwickelt. Ziel ist es, nach bekannt werden der Infektion, die Ereigniskette nachzuvollziehen und schnellstmöglich zu unterbrechen. Ergänzt wurde diese Sitzung durch die Präsentation und anschließende Demonstration des Spatial Statistics Tools im GIS-Programm ArcGIS der Firma ESRI.

Sitzung F: Soziale, kulturelle und Verhaltensdeterminanten des Auftreten von Infektionen

Soziale und kulturelle Faktoren spielen bei dem Bewusstsein und der Sensibilität für bestimmte Erkrankungen und Infektionen eine erhebliche Rolle und wurden im Rahmen dieser Sitzung diskutiert. Ein Vortrag zeigte im Vergleich zwischen deutschen und dänischen Jugendlichen erhebliche Unterschiede im Bewusstsein für Chlamydia-Infektionen aufgrund unterschiedlicher Aufklärungsstrategien seitens des Staates (Behörden, Schulen usw.). Ein weiteres Referat machte deutlich, dass die wirtschaftliche Entwicklung und die regionalen Unterschiede eines Landes (Stadt-Land-Gefälle) ausschlaggebend für ein hygienisches Bewusstsein einer Bevölkerung sind und damit Ursache für Erkrankungen des Magen- Darmsystems sein können. So ist z. B. der Zu- und auch Umgang von Trinkwasser und sanitären Einrichtungen traditionell in den ländlichen Regionen Vietnams (Makong-Delta) sehr unterschiedlich. Ein weiterer Vortrag zeigte ein Beispiel, dass das Bewusstsein für Malaria innerhalb der Bevölkerung im Südwesten Kenias deutlich macht und welche Präventionsmaßnahmen in diesem Zusammenhang getroffen werden.

Sitzung G: Does place matter?

Während der letzten Sitzung wurde ein Internetprojekt präsentiert, das den Zusammenhang zwischen Naturschutz und Gesundheit (NaGesIS) deutlich machen und darüber informieren soll. Der Zugang zu diesen Themen soll der Öffentlichkeit erleichtert und das Bewusstsein geschärft werden. In einem weiteren Referat wurde die räumlich-zeitliche Verteilung psychiatrischer und psychotherapeutischer Patienten untersucht. Dabei wurden die Patientendaten unter räumlichen und statistischen Gesichtspunkten ausgewertet, Zusammenhänge untersucht und die Ergebnisse präsentiert. Diese Sitzung und damit auch die Tagung 2008 schloss ein Vortrag, der die älteren Mitbürger und deren Einstellung zu Alter und Gesundheit in einem Stadtteil Hamburgs unter räumlichen und statistischen Merkmalen betrachtet hat. Mit dem Resultat, dass die soziale und gesellschaftliche Lage von Senioren und deren Einstellung zum Altern einander entscheidend beeinflussen.

Um weitere Informationen zu den Referaten einzuholen, sei an dieser Stelle auf das Programmheft hingewiesen und die Vorträge, die auf der Internetseite des Arbeitskreises Medizinische Geographie verfügbar sind (http://www.med-geo.de).

Conrad Franke, TFH Berlin

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