Die Schnelligkeit der arabischen Sprache

Auch in Zeiten von Internet und Kurznachrichtendiensten (SMS) ist es ab und zu mal erforderlich schnell etwas per Schreibstift zu Papier zu bringen, spätesten jetzt wird man wieder mit der Schreibgeschwindigkeit seiner Muttersprache hadern, sind einem doch noch von der Schule die Kompromisse beim Abschreiben von der Tafel oder beim Mitschreiben einer Vorlesung bekannt. Schrieb man zu wenig mit, war die Gefahr groß, später wieder alles vergessen zu haben. Schrieb man zu viel mit, konnten die Sprechpausen zum Nachdenken nicht genutzt werden. Erschwerend kam noch hinzu, dass man seine eigene Handschrift nicht mehr entziffern konnte.

Aus dieser Not ging man dazu über eine Strategie nach dem Motto " weniger ist mehr" zu entwickeln. Es begann die Suche nach passenden Stichwörtern als Ersatz für einen Satz, und dann ging die Suche weiter nach passenden Abkürzungen für die Stichwörter. So bildet sich ganz natürlich eine Kunstsprache mit der es dann möglich ist komplexe Inhalte (z.B. aus einer Vorlesung) auf wenige aber treffliche Abkürzungen (Symbole) zu reduzieren. Unser Gehirn ist in der Lage gewaltige Datenreduktionen in Form von Abkürzungen durch Gedankenverbindungen (Assoziationen) sich der komplexen Inhalte einer Vorlesung wieder zu erinnern (siehe auch später im Kapitel " Die Namen der Wörter").

Arabisch bringt all die Vorteile mit die eine Sprache (nicht nur) schnell im Schreiben macht, und ist doch keine Kunstsprache, sondern eine sehr lebendige Sprache. Hier drei entscheidende Vorteile:

Die arabische Schreibschrift (siehe Bild 1) ist von Hause aus eine Laufschrift und keine Druckschrift so wie es die europäischen Schriften viele Jahrhunderte waren. Sie ist stetig und nicht eckig, sie lief und läuft auch heute den kursiven Schreibstilen (von lateinisch currere ‚laufen‘, ‚rennen‘) davon. Sie läuft zu ungeahnten Geschwindigkeiten auf, und zwar so schnell, dass es eigentlich nur eine Sprache gibt die mit ihr mithalten kann, nämlich die Stenografie, eine künstliche Sprache, die mit dem Ziel entwickelt wurde so schnell zu schreiben wie man spricht.

Bild 1: Vergleich einiger Alphabete

Die Geschwindigkeit der arabischen Sprache beim handschriftlichen Verfassen von Texten ist auch ein Grund dafür, dass im 10. Jahrhundert in den Bibliotheken Cordobas, im damals islamischen Andalusien, mehr als 150.000 Übersetzungen und Neuerscheinungen aus allen Wissenschaftsbereichen (Mathematik, Medizin, Philosophie u.v.m.) in arabischer Sprache vorlagen. Ein handgeschriebener Qur'an war fast in jedem Haushalt zu finden. Zum Vergleich hatte die Vatikanische Bibliothek, die größte des christlichen Europas, gerade mal 1000 handgeschriebene Manuskripte.