Und Er lehrte Adam die Namen alle. Hierauf legte Er sie (die benannten Dinge)
den Engeln vor und sagte: "Teilt Mir deren Namen mit, wenn ihr wahrhaftig seid!"
Quran: 2:31

Die Namen der Wörter

Wenn die Wörter in einer Sprache immer länger und länger werden sucht man instinktiv nach einer Abkürzung. Auch die Deutschen sind sehr emsig im Sammeln langer Wörter. Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz [1] ist so eines davon. Selbst die Abkürzung ist immer noch ein Zungenbrecher, RflEttÜAÜG. Es hat sich aber eingebürgert, dass die meisten Abkürzungen aus nicht mehr als 5 Buchstaben bestehen. Eine Abkürzung die es auf drei Buchstaben bringt ist ideal. Nun sind drei Buchstaben in der Lage komplizierte Begriffe vorstellbar zu machen und zwar so einfach als wenn man direkt mit dem Begriff oder der "Sache" konfrontiert wäre. Ich muss ein Personenkraftwagen nicht unbedingt sehen um mir eine Vorstellung von dieser "Sache" zu machen, es langt, wenn ich das Kürzel PKW höre. Eine gewaltige Datenreduktion vollzieht sich in unseren Köpfen beim Hören solcher Kürzel. Jeder Informatiker kann davon nur träumen.

Die Kürzel sind effektiver als die zugehörigen Wörter die, wenn sie über 15 Buchstaben lang sind, selbst zum Hindernis (der Vorstellung) werden. Drei-Buchstaben-Abkürzungen sind, wenn man sie einmal verstanden hat, direkt und mit voller Konzentration auf die "Sache" ausgerichtet. In den meisten Sprachen endet dann hier auch schon die Erfolgsgeschichte der Kürzel. Schön wäre es, wenn noch eine Idee hinter all dem sichtbar würde.

Ideen sind so etwas subtiles, zerbrechliches, latif Feinfühliges. Fragiler noch als Seifenblasen platzen sie, wenn man sie einfangen und zu Papier bringen will. Man braucht ein wirksames Mittel um sie aus der Feinstofflichkeit in das Seiende zu binden. Und dieses wirksame Mittel ist in der arabischen Sprache die Ilm-Ischteqaq ( عِلْم ألإشْتَقَاق ) die Wissenschaft der Ableitung in Form der Matrix der Flexionen.

Schon immer suchten Menschen nach der Richtigkeit der Wörter. In Platon's Kratylos [2] geht es darum, ob die Dinge benannt wurden oder benannt sind, also ob die Namen der Dinge willkürlich von Menschen festgelegt wurden oder ob es eine im Wort innewohnende Wahrheit gibt, die Rückschlüsse auf die Dinge zulassen. Nun ist eine Idee, so wie oben beschrieben, oft älter als die "Sache" selbst. Das ist nichts Neues. Im technischen Alltag hat man schon Wörter für Produkte gewählt die noch gar nicht existieren. Also, lange bevor der erste Strich auf dem Reißbrett gezogen ist haben zukünftige Flugzeuge oder Kraftfahrzeuge schon einen Namen. Auch haben die meisten Eltern schon Namen für Ihre Kinder ausgewählt bevor diese auf der Welt sind. Warum sollten nicht auch für andere "Dinge" die Wörter schon existieren und ihnen so eine Richtigkeit verleihen.

Um Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, sich mit diesem ungewöhnlichen Gedanken (etwas) anzufreunden habe ich einige Grafiken vorbereitet. Beginnen aber möchte ich mit einer Aussage zur Anschauung von Immanuel Kant, die so denke ich, auch die meisten Menschen befürworten würden.

Kant schrieb [3]:

"So fängt denn alle menschliche Erkenntnis
mit Anschauungen an, geht von da zu Begriffen
und endigt mit Ideen"

Diese Aussage von Immanuel Kant kann mit Hilfe der arabischen Sprache invertiert werden! Und noch mehr, ausgehend von der Anschauung kann man den "Dingen" nur noch einen NAMEN geben, kein WORT passt mehr dazwischen. Kürzer: Name und Wort sind untrennbar verbunden. Geht man die "Dinge" aber von der Wurzel aus an, so ist zuerst das WORT und dann der NAME.

Vielleicht wird Ihnen jetzt die Überschrift zu diesem Kapitel "Die Namen der Wörter" verständlicher erscheinen und löst die eine oder andere Irritation auf. Die folgenden Beispiele sollen dies auch noch einmal verdeutlichen.

Sprache Allgemein (ohne Arabisch)
(Denkweise von links nach rechts)

Bild 1: Ähnlich wie die Behauptung von Immanuel Kant, funktioniert auch die Namensgebung. Man schaut ein Objekt an, gibt ihm einen Namen um es begreifbar zu machen und versucht dann einen Namen für die dahinterliegende Idee zu finden, findet aber nichts als eine Abkürzung in der die Idee unverstanden bleibt.

Die Idee bleibt deshalb unverstanden, weil man ja von der Anschauung ausgeht, so gesehen ist es nicht verwunderlich, dass das Objekt Berg in den Weltsprachen (außer Arabisch) seinen Namen aus einen der folgenden Eigenschaften entnimmt (gekürzt wiedergegeben):
- monumental (engl., franz.., span., port., ital.)
- felsig (deutsch)
- unverrückbar, steinig, felsig, heilig (jap., chin.).

Arabische Sprache
(Denkweise von rechts nach links)

Bild 2: Hier ist die Idee der Anfang von Allem. Ähnlich dem Samen der in die Erde eingepflanzt wird, werden die 3 Konsonanten, also die Idee von etwas, in einen Mutterboden (Matrix) eingepflanzt. Aus den so entstandenen Wörtern beziehen dann die Objekte ihren Namen. So existieren die Wörter lange vor den Objekten. Das Fragezeichen (?) in obiger Grafik steht für ein vorhandenes oder nicht vorhandenes Objekt, das noch nicht benannt ist, das Wort dazu aber existiert bereits.
Nur über diese Methode, die nicht abhängig von der Anschauung ist, erfährt man etwas von der Entstehungs-geschichte der Berge. Wenn man bedenkt, dass Geophysiker die Plattentektonik der Erde als Formgebung der Berge erst vor wenigen Jahrzehnten entdeckt haben [4], ist es umso erstaunlicher, dass das arabische Wort für Berg (جَبَل) seine Entstehungsgeschichte seit Jahrtausenden mit sich trägt. "Arabische Grammatik erklärt Geophysik".

Bild 3: Zusammenhänge die wir in der Natur wahrnehmen spiegeln sich in der arabischen Sprache wieder! Nochmal weil es so einmalig ist: Es ist gleich ob wir die Zusammenhänge aus der arabischen Sprachstruktur entnehmen oder aus der Natur selbst. "Arabische Grammatik erklärt natürliche Phänomene"

Bild 4: Auch immaterielle Begriffe lassen sich mit Arabisch gut herleiten. Hier wird z.B. mit den drei Konsonanten N F S ein Teilgebiet der Psychologie, nämlich die Charakterlehre, abgebildet. Drei Konsonanten ermöglichen einen Blick in die menschliche Seele! "Arabische Grammatik erklärt Psychologie"


[1] Als 1999 die Rinderseuche BSE in Europa grassierte, war das Gesetz mit dem vollen Namen "Rinderkennzeichnungs- und Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz" (RkReÜAÜG) in Mecklenburg-Vorpommern eingeführt worden, um die ordnungsgemäße Kennzeichnung von Rindern zu regeln und damit den Verbraucher zu schützen. Aber BSE-Tests sind laut Europäischer Union für gesunde Rinder nicht mehr notwendig, das Gesetz hinfällig.

[2] Platon: Kratylos, 2013, Createspace (Verlag), ISBN: 978-1-4840-4983-9

[3] Aus Kritik der reinen Vernunft, Elementarlehre T.2. Abt. 2.

[4] Die "Formgebung" der Berge ist heute allgemein anerkannt eine Folge von Vulkanismus und Plattentektonik der Erde.
Es gibt viele Bücher über die Entstehung von Bergen, hier eines davon:
"Bewegte Bergwelt", Autor: Florian Neukirchen, Springer Verlag, ISBN 978-3-8274-2753-3