R E C H E N M A S C H I N E N    

DAS  ZEITALTER  DER  INDUSTRIELLEN  FERTIGUNG  VON   MECHANISCHEN   RECHENMASCHINEN
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In den Anfaengen waren Rechenmaschinen Einzelstuecke, kunstvolle "Kuriositaeten",
Geschenke fuer Kaiser und Koenige zum Vergnuegen ihres Hofstaats. Z.B. schenkte
Blaise Pascal eine seiner ersten Maschinen um 1650 der Koenigin von Schweden. Er
baute seine (+/-) "PASCALINE" um die Arbeit seines Vaters, der Steuereinnehmer
war, zu erleichtern. Um 1670 stellte Gottfried Wilhelm Leibniz seine STAFFELWALZE
Rechenmaschine mit beweglichem Rechenwerk vor, die somit auch Multiplikation und
Division ermoeglichte.

Mit Beginn der Industrialisierung wuchs der Bedarf an Rechenmaschinen in Industrie,
Verwaltung und Versicherungswesen. 1828 begann die Serienproduktion einer Staffel-
walzen-Maschine durch Charles Xaver Thomas in Colmar. Bis in die '60er Jahre wurden
Rechner nach diesem Prinzip gefertigt, z.B. 1920 die »T.I.M.« (= "Time-Is-Money")
in Berlin (s. Bilder der Restauration ...) und 1950 in der Schweiz die »MADAS«
(= "Multiplication, Automatische Division, Addition & Subtraction").

Eine weitere, historisch bedeutende Rechenmaschine ist die ( 40 kg schwere !)
»MILLIONAIRE« von 1900 der Fa.Egli/Zuerich. Sie konnte ( mittels "1x1-Koerper" )
multiplizieren mit nur einer Kurbel-Umdrehung!

1872 patentierte Frank S. Baldwin in den USA das SPROSSENRAD - die gleiche Idee
in Europa hatte 1872 der Schwede Willgodt T. Odhner. In St.Petersburg/Russland
war er fuer die Fa. Nobel taetig. Mit diesen Rechenmaschinen konnte man addieren,
subtrahieren, multiplizieren und dividieren. Sie waren kleiner, leichter und
billiger als die Staffelwalzen-Maschinen und damit wurde deren weite Verbreitung
beschleunigt. Ein wesentliches Element von Odhner's Erfindung war auch die zeit-
liche Aufspaltung des 10er-UEBERTRAG, die eine Addition von 9999999 + 1 ohne
Reibungs-Probleme ermoeglichte. 1892 lizensierte Odhner Patent-Rechte an die
Naehmaschinenfabrik GRIMME, NATALIS & CO. in Braunschweig, die spaeter unter dem
Namen »BRUNSVIGA« beruehmt wurde.  Odhner produzierte seine Rechner bis 1917.
Nach der "Oktober-Revolution" enteignet, ging er nach Goeteborg/Schweden und
fertigte dort seine »ORIGINAL-ODHNER«. In Russland wurde seine Fabrik von St.
Petersburg nach Moskau verlagert. Die Leitung erhielt Feliks Dzerzhinsky, gleich-
zeitig auch Chef des KGB. Die »ODHNER« Rechenmaschinen wurden nun unter dem Namen
»FELIKS« vertrieben.

In den aufbluehenden  Rechenmaschinen-Markt  kamen weitere  Mitbewerber,  die
Sprossenrad-Maschinen nach dem Odhner-Prinzip produzierten, z.B. FACIT, SCHUBERT,
THALES, TRIUMPHATOR, WALTHER.  Zahlreiche Verbesserungen wurden ersonnen.  Zu
Beginn arbeiteten die  UMDREHUNGSZAEHLER  ohne 10er-Uebertrag.  TRIUMPHATOR war
die erste Firma, die Zaehler mit 10er-Uebertrag auf den Markt brachte, was die
sogenannte "Abgekuerzte Multiplikation" erlaubte. Um z.B. 89*89 zu multiplizieren
sind statt 17 nur 3 Kurbel-Umdrehungen noetig: Eine positive in der 100er Stelle,
eine negative in der 10er Stelle und eine weitere negative in der 1er Stelle! Die
Eingabe zeigt  89  - der Zaehler zeigt  89  und das Ergebnis  89*89 = 7921.  Eine
nuetzliche Erweiterung war auch "Rueck-Uebertragung" (= "Back-Transfer") fuer
fortgesetztes Multiplizieren  o h n e  Neueingabe des Zwischen-Ergebnis.  z.B.
89 * 89 = 7921  ===(BT)==>>>  7921 * 2 = 158442.

Besonderheit der FACIT Maschinen: Hier werden die Sprossen-Raeder seriell zur
Arithmetik-Einheit geschoben; wobei ein Sprossen-Rad aus einem 5er-Zahn und vier
variablen Sprossen zusammengesetzt wird - das erklaert auch die ungewoehnliche
Tasten-Anordnung.

Eigene Wege ging der geniale Erfinder  Christel Hamann  aus Berlin. Sein 1910
patentiertes PROPORTIONAL-HEBEL Prinzip war fuer Motor-Betrieb bestens geeignet.
Es wurde von der Bueromaschinenfabrik MERCEDES erfolgreich vertrieben. 1925
patentierte er sein SCHALTKLINKE Prinzip.  Diese Rechner ( im Aussehen aehnlich
zu den Odhner Maschinen )  wurden unter seinem Namen und seiner Leitung von der
DEUTSCHE TELEPHONWERKE & KABELINDUSTRIE ( = DeTeWe ) in Berlin hergestellt. Die
manuelle HAMANN-MANUS, wie auch die motorisierte MERCEDES-EUKLID, hatten auto-
matisierte Division. Beeindruckend ist sein kleiner »AUTOMAT-S« mit eingebauten
"Hardware-Algorithmen" fuer Division und "Abgekuerzte Multiplikation"!

In den USA erfand Frank S.Baldwin (der selbe !) zusammen mit Jay R.Monroe (1912)
eine weitere Rechenmechanik, die GETEILTE STAFFELWALZE. Mit ihren leichten Voll-
Tastatur Maschinen  eroberte die  Fa. MONROE  den Markt.  Interessant ist auch
hier die Mechanik des  10er-UEBERTRAG.

Die Fa. MARCHANT in USA stellte anfangs "Pin-Wheel" Rechenmaschinen her. Odhner-
Patent-Streitigkeiten waren Anlass sich auf  "STELL-SEGMENT"  Rechenmaschinen
umzustellen.

4-Spezies-Maschinen sind z.B. fuer Ingenieur-Bueros wichtig - aber DRUCKENDE
ADDIER-MASCHINEN sind fuer die Buchhaltung notwendig.  BURROUGHS und VICTOR in
den USA sowie OLYMPIA in Deutschland waren sehr erfolgreich in diesem Markt-
segment. Neben "Voll"-Tastaturen wurde spaeter als Eingabe der "10er-Block"
bevorzugt - der gleiche, den wir auch heute noch benutzen. Die Mechanik der
Umsetzung von  serieller Eingabe  zur  parallelen Verarbeitung  ist im Bild
10-BLOCK KEYBOARD  erklaert.

Ganz anders ist der Schnell-Addierer  COMPTOMETER  aufgebaut,  der 1885  von
Dorr E. Felt erfunden wurde - unabhaengig davon hatte  William S. Burroughs
die gleiche Idee.  Im Patentstreit siegte Felt - aber die Fa. BURROUGHS  wurde
der erfolgreichere Hersteller von Rechenmaschinen. Felt richtete Schulen fuer
weibliche "Operators" ein, was der Emanzipation diente: Banken, Versicherungen
und Gross-Betriebe hatten Rechner-Raeume mit Dutzenden von Damen. Ein geuebter
Operator gab die "9" als "4+5" ein, da schneller - Was zur folge hatte, dass
auch (kleinere + billigere) "Halbe"-COMPTOMETER auf den Markt kamen z.B. von
CONTEX u. TORPEDO.  B E S O N D E R H E I T :  COMPTOMETER koennen nur ADDIEREN!
SUBTRAKTION  muss als "9-Komplement-Addition" ausgefuehrt werden!  Z.B.:
55 - 22  ==>>>  55 + [ 22 - 1 ]*  =  55 + [ 00021 ]*  =  55 + 999...978  =  33

Eine der interessantesten Rechenmaschinen hat auch eine sehr interessante
Historie. Die  CURTA  ist der kleinste mechanische 4-Spezies-Rechner der Welt.
Curt Herzstark erdachte sie als Gefangener im Konzentrationslager Buchenwald.
Ihre Geschichte  ( mit hervorragenden Detail-Bildern der Mechanik )  wurde im
»Scientific American«  01/2004  von Cliff Stoll publiziert - die deutsche
Uebersetzung ist im  »Spektrum der Wissenschaft«  04/2004  erschienen.  Die
CURTA arbeitet mit einem modifizierten  STAFFELWALZE  Prinzip. Sie war seiner-
zeit (1950) das Spitzenprodukt der Feinmechanik und ist heute ein begehrtes
Objekt fuer Sammler von Rechenmaschinen in aller Welt.

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                                   V O R T R A G
                             " Von BRUNSVIGA zu CURTA -
               Geschichte und Technik mechanischer Rechenmaschinen "
                     zum » Vintage Computing Festival Berlin «
                    im TECHNIK MUSEUM BERLIN am 12.+13.Okt.2019
                    LINK zum CCC  ===>>>  VORTRAGS-Aufzeichnung
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Viel Freude beim Besuch des  » On-Line PRE-COMPUTER TECHNICAL MUSEUM «

      Auswahl (1)  START der Tour A ... Z in der Abteilung RECHENMASCHINEN

              (2)  UEBERSICHT was wo zu finden ist

              (3)  HOME PAGE START-SITE

"DANK!" an Dr. Michael Giehl, FU-Berlin / Klinikum  » Benjamin Franklin «.
In den Jahren 2000..2003 legte "Mikey" den Grundstein fuer diese "Hand-Code-HTML"-
HomePage.  Mein Start war unproblematisch durch seine freundschaftliche Hilfe. 

"DANK!" auch an meine Freundin Nancy Shaw in Kalifornien. Sie zeichnete die vielen
"ChriNaTECH"-DIAGRAMME, um zu zeigen, wie RECHENMASCHINEN arbeiten:  Viel Freude !

impressum:
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©  C.HAMANN           http://public.beuth-hochschule.de/~hamann         * 10/13/19