R E C H E N M A S C H I N E N    

DAS  ZEITALTER  DER  INDUSTRIELLEN  FERTIGUNG  VON  MECHANISCHEN  RECHENMASCHINEN
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In  den  Anfaengen  waren  Rechenmaschinen  Einzelstuecke  und  kunstvolle
"Kuriositaeten"  -  Geschenke fuer Kaiser und Koenige zum Vergnuegen ihres
Hofstaats.  Mit Beginn der Industrialisierung wuchs der Bedarf an Rechen-
maschinen in Industrie, Verwaltung und Versicherungswesen.  1828 begann die
erste Serienproduktion einer  STAFFELWALZE  Maschine  durch Charles Xaver
Thomas in Colmar - ein Prinzip, das Gottfried W. Leibniz um 1700 erfand. 
Noch um 1920 wurden Rechner nach diesem Prinzip gefertigt, z.B. die »T.I.M.«.

1872 patentierte Frank S. Baldwin in den USA das SPROSSENRAD - die gleiche Idee
in Europa hatte 1872 der Schwede Willgodt T. Odhner. In St.Petersburg/Russland
war er fuer die Fa. Nobel taetig.  Mit diesen Rechenmaschinen konnte man
addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren.  Sie waren kleiner,
leichter und billiger als die Staffelwalzen-Maschinen und damit wurde deren
weite Verbreitung beschleunigt.  Ein wesentliches Element  von Odhner's
Erfindung war auch die zeitliche Aufsplittung des 10er-UEBERTRAG, die eine
Addition von 9999999 + 1 ohne Reibungs-Probleme ermoeglichte. 1892 lizensierte
Odhner Patentrechte an die Naehmaschinenfabrik  GRIMME, NATALIS & CO. in
Braunschweig, die spaeter unter dem Namen »BRUNSVIGA« beruehmt wurde. Odhner
produzierte seine Rechner bis 1917.  Nach der  "Oktober-Revolution" enteignet,
ging er nach Goeteborg/Schweden und fertigte dort seine »ORIGINAL-ODHNER«.
In Russland wurde seine Fabrik von St. Petersburg nach Moskau verlagert. Die
Leitung erhielt Feliks Dzerzhinsky,  gleichzeitig auch Chef des KGB.  Die
»ODHNER«  Rechenmaschinen  wurden nun unter dem Namen  »FELIKS«  vertrieben.

In den aufbluehenden Rechenmaschinenmarkt kamen weitere  Mitbewerber,  die
Sprossenrad-Maschinen nach dem Odhner-Prinzip produzierten,  z.B. FACIT,
SCHUBERT, THALES, TRIUMPHATOR, WALTHER.  Zahlreiche Verbesserungen wurden
ersonnen.  Zu Beginn arbeiteten die  UMDREHUNGSZAEHLER  ohne 10er-Uebertrag.
TRIUMPHATOR war die erste Firma, die Zaehler mit 10er-Uebertrag auf den Markt
brachte, was die sogenannte "Abgekuerzte Multiplikation" erlaubte.  ( Um z.B.
89*89  zu multiplizieren  sind statt 17  nur 3 Kurbel-Umdrehungen noetig )

Eigene Wege ging der geniale Erfinder  Christel Hamann  aus Berlin. Sein 1910
patentiertes PROPORTIONAL-HEBEL Prinzip war fuer Motor-Betrieb bestens geeignet.
Es wurde von der Bueromaschinenfabrik MERCEDES erfolgreich vertrieben. 1925
patentierte er sein SCHALTKLINKE Prinzip.  Diese Rechner ( im Aussehen aehnlich
zu den Odhner Maschinen )  wurden unter seinem Namen und seiner Leitung von der
DEUTSCHE TELEPHONWERKE & KABELINDUSTRIE ( = DeTeWe ) hergestellt.  Die manuelle
HAMANN-MANUS,  wie auch die motorisierte MERCEDES-EUKLID,  hatten automatisierte
Division.  Beeindruckend ist das vollautomatische Arbeiten seines  »AUTOMAT-S«
Division u. "Abgekuerzte Multiplikation" sind eingebaute "Hardware-Algorithmen".

In den USA erfand  Frank S. Baldwin  zusammen mit  Jay R. Monroe  (1912)  eine
weitere Rechenmechanik, die  GETEILTE STAFFELWALZE.  Mit ihren leichten Voll-
Tastatur Maschinen  eroberte die  Fa. MONROE  den Markt.  Interessant ist auch
hier die Mechanik des 10er-UEBERTRAG.

4-Spezies-Maschinen sind z.B. fuer Ingenieur-Bueros wichtig - aber DRUCKENDE
ADDIER-MASCHINEN sind fuer die Buchhaltung notwendig.  BURROUGHS und VICTOR in
den USA waren sehr erfolgreich in diesem Marktsegment. Neben "Voll"-Tastaturen
wurde spaeter als Eingabe der "10er-Block" bevorzugt - der gleiche,  den wir
auch heute noch benutzen.  Die Mechanik der Umsetzung von serieller Eingabe zur
parallelen Verarbeitung ist im Bild  10-BLOCK KEYBOARD  erklaert. 

Ganz anders ist der Schnelladdierer  COMPTOMETER  aufgebaut,  der 1885  von
Dorr E. Felt erfunden wurde - unabhaengig davon hatte  William S. Burroughs
die gleiche Idee.  Im Patentstreit siegte Felt - aber die Fa. BURROUGHS  wurde
der erfolgreichere Hersteller von Rechenmaschinen.

Eine der interessantesten Rechenmaschinen hat auch eine sehr interessante
Historie.  Die CURTA ist der kleinste mechanische 4-Spezies-Rechner der Welt.
Kurt Herzstark erdachte sie als Gefangener im Konzentrationslager Buchenwald.
Ihre Geschichte  ( mit hervorragenden Detail-Bildern der Mechanik )  wurde im
»Scientific American«  01/2004  von Cliff Stoll publiziert - die deutsche
Uebersetzung ist im  »Spektrum der Wissenschaft«  04/2004  erschienen.  Die
CURTA arbeitet mit einem modifizierten  STAFFELWALZE Prinzip.  Sie war seiner-
zeit das Spitzenprodukt der Feinmechanik und ist heute ein sehr begehrtes
Objekt fuer Sammler von Rechenmaschinen in aller Welt.

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© C.HAMANN           http://public.beuth-hochschule.de/~hamann           11/11/11